Autobranche: Renaults Spionage-Affäre endet im Desaster

Autobranche
Renaults Spionage-Affäre endet im Desaster

Aus Angst vor einer Industriespionage ist der französische Autobauer Renault einem Betrüger aufgesessen. Wie sich herausstellte gibt es für einen Informationsklau keine Beweise. Renault-Chef Ghosn verzichtet auf Bonus.
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ParisRenault könnte in der vermeintlichen Spionage-Affäre einem Schwindel aufgesessen sein. Es werde nun wegen Betrugs ermittelt, teilte die Staatsanwaltschaft am Montag in Paris mit. Renault entschuldigte sich umgehend bei den drei Managern, denen das Unternehmen vorgeworfen hatte, strategische Informationen über die Entwicklung von Elektroautos an die chinesische Konkurrenz weitergegeben zu haben.

„Ich habe mich getäuscht, wir haben uns getäuscht und nach den Ausführungen des Staatsanwalts sieht es so aus, als ob wir absichtlich getäuscht wurden“, sagte Ghosn Montagabend im Fernsehen. Die drei Manager sollten entschädigt werden und wieder Posten bei Renault bekommen, falls sie dies wünschten. Die drei beschuldigten Manager waren im Januar überraschend vor die Tür gesetzt worden.

Bereits am späten Nachmittag kam der Verwaltungsrat des französischen Autobauers zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Eine Gewerkschaft hatte zuvor den Rücktritt von Ghosn gefordert. Vize-Chef Patrick Pélata hatte seinerseits angedeutet, dass er zu persönlichen Konsequenzen bereit sei, falls sich die Anschuldigungen als falsch herausstellten. Renault werde alle Folgen akzeptieren, auch solche, die ihn beträfen, sagte Pélata, der für das Tagesgeschäft zuständig ist und bot seinen Rücktritt an. Ghosn lehnte den Schritt aber ab. Der Renault-Chef schloss darüber hinaus auch seinen Rücktritt aus, kündigte aber an, auf seinen Bonus in Höhe von 1,6 Millionen Euro zu verzichten. Der Verwaltungsrat habe dies bereits akzeptiert.

Unterdessen ist der Mitarbeiter der Sicherheitsabteilung ins Visier der Justiz geraten, der die Affäre ins Rollen gebracht hatte. Er berief sich auf einen anonymen Informanten, der angeblich Beweise für die Spionagefälle hatte. So wurden mehrere Konten in der Schweiz und in Liechtenstein angeführt, auf die die verdächtigten Mitarbeiter hohe Kommissionszahlungen erhalten haben sollten. Später stellte sich heraus, dass diese Konten überhaupt nicht existierten.

Der fragliche Mitarbeiter wurde am Wochenende festgenommen, als er nach Guinea ausreisen wollte. Renault hat dem ungenannten Informanten nach Medieninformationen mehr als 300.000 Euro gezahlt.

Das Unternehmen geriet in die Kritik, weil es lediglich auf interne Ermittlungen gesetzt hatte und sich allzu früh von seiner Version überzeugt zeigte. Ghosn hatte in einem Interview während der Hauptnachrichten im französischen Fernsehen behauptet, dass es eindeutige Beweise für die Spionage gebe. „Wir werden ausspioniert, weil wir so gut sind“, erklärte er selbstsicher. Zuvor hatte der Autobauer wegen der vermuteten Weitergabe von Informationen zur Elektroauto-Strategie rechtliche Schritte eingeleitet und Anzeige wegen Industriespionage, Diebstahl und Bestechlichkeit erstattet.

Mitarbeiter des Konzerns klagen über ein „paranoides Klima“, berichtete die Zeitschrift „Nouvel Observateur“ kürzlich. Die Entwicklung des Elektroautos gilt als wichtigstes Projekt des Unternehmens. Gemeinsam mit dem japanischen Schwesterkonzern Nissan hat Renault bereits rund vier Milliarden Euro investiert. In diesem und kommendem Jahr will Renault vier Elektroautos auf den Markt bringen. Derzeit sind mehr als 100 Patente angemeldet.

Der vermeintliche Spionagefall hatte das Verhältnis zwischen Renault und der französischen Regierung erheblich belastet, vor allem weil der Autobauer die Spionagevermutungen zunächst für sich behalten und eigene Untersuchungen eingeleitet hatte. Zudem kam es zu diplomatischen Verwicklungen, nachdem aus Regierungskreisen verlautete, die Behörden verfolgten in der Affäre eine Spur nach China. Auch der Inlandsgeheimdienst hatte ermittelt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Autobranche: Renaults Spionage-Affäre endet im Desaster"

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  • Europas groesste Spionage-Nation hat Angst vor Informationsdiebstahl. Ja, der Betrueger hat Angst dass er beklaut wird!

  • Na wenn man den Wert betrachtet, welchen eine solche Technologie hat, da kann man nicht zu vorsichtig sein...wer hier eine stimmige Pionierleistung erzielt kann sprichwörtlich das Auto neu Erfinden...

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