Autobranche
RHJ gibt Kampf um Opel nicht auf

Im Bieterwettbewerb um Opel gibt der Finanzinvestor RHJ International trotz aller Widerstände in Deutschland nicht auf.

BERLIN/FRANKFURT. "Vorfestlegungen auf einen bestimmten Investor erschweren die ohnehin schon komplizierten Verkaufsverhandlungen erheblich", sagte RHJ-Chef Leonhard Fischer dem Handelsblatt: "Es kann nicht im Interesse der Politik sein, den Wettbewerb aus diesem Investorenprozess zu verbannen." RHJ rechne sich nach wie vor "gute Chancen" aus, den Zuschlag für Opel zu bekommen.

Fischer reagierte damit zum ersten Mal öffentlich auf den politischen Gegenwind, der RHJ in Deutschland entgegenweht. Große Teile der Bundesregierung und vor allem die Landesregierungen von Hessen und Thüringen, die sich um die Arbeitsplätze bei den Opel-Werken in Rüsselsheim und Eisenach sorgen, favorisieren Magna. Auch der Betriebsrat von Opel setzte sich öffentlich für den kanadisch-österreichischen Autozulieferer ein. Die übrigen Bieter, der italienische Konzern Fiat und der chinesische Autobauer BAIC, sind nicht mehr im Rennen.

Bei dem Streit geht es vorrangig um unterschiedliche Rettungskonzepte für Opel: Magna möchte vor allem das Geschäft in Russland mit lokalen Partnern ausbauen, wirbt mit einem geringeren Stellenabbau in Deutschland und einer klareren Trennung von der bisherigen US-Mutter General Motors (GM). GM selbst liebäugelt offenbar weiterhin mit RHJ. Meldungen über einen baldigen Abschluss zwischen Magna und GM, die vor allem vom Opel-Betriebsrat verbreitet wurden, erwiesen sich in den letzten Tagen als vorschnell. Vor allem Patent- und Lizenzfragen gelten nach wie vor als ungelöst. GM fürchtet den Abfluss von Know-how an den russischen Autokonzern GAZ, der gemeinsam mit der staatlichen Moskauer Sberbank zum Bieterkonsortium von Magna gehört.

Ein Spitzengespräch zwischen GM-Chef Fritz Henderson und den Magna-Managern Herbert Demel und Siegfried Wolf in der Nacht zum Samstag in Detroit brachte keinen Durchbruch. Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz räumte am Wochenende ein, das Treffen sei trotz aller Fortschritte ohne finale Einigung beendet worden. Der Arbeitnehmervertreter forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Eingreifen auf, falls es bis Mitte der Woche immer noch keine Einigung gebe. Mitglieder der Opel-Treuhandgesellschaft, die bei der Auswahl der Investoren durch GM eine wichtige Rolle spielen, kritisierten am Wochenende dagegen erneut die Einflussnahme der Politik auf den Verkaufsprozess. Und auch in der EU wachsen offenbar Bedenken gegen Magna, weil der Bieter bei der Opel-Sanierung deutsche Arbeitsplätze überproportional verschonen will, um sich die deutsche Politik geneigt zu halten.

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