Autobranche
Rückruf: Mysteriöse Unfälle bei Toyota

Toyota macht weiter Schlagzeilen wegen Qualitätsproblemen: Der Ärger in den USA weitet sich aus. Der weltgrößte Autobauer kann den Rückruf von Millionen Autos nicht mehr ausschließen. Es gibt Probleme mit dem Gaspedal, weswegen Fahrer bisweilen nicht mehr anhalten können.
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TOKIO. Der weltgrößte Autohersteller Toyota steuert in den USA möglicherweise auf den Rückruf mehrerer Millionen Fahrzeuge wegen klemmender Gaspedale zu. Während das japanische Unternehmen zusammen mit US-Behörden eine Reihe mysteriöser Unfälle untersucht, mehren sich die Gründe für eine Nachbesserung an den betroffenen Modellen. In mehreren Fällen hatten Autos unkontrolliert auf über 200 Stundenkilometer beschleunigt.

Die US-Verkehrssicherheitsbehörde Highway Safety Traffic Administration sieht anscheinend eine Konstruktionsschwäche als Ursache der teils tödlichen Vorkommnisse an. Eine lose Fußmatte kann beim derzeitigen Aufbau offenbar in eine Ritze vor dem Gaspedal rutschen und es verklemmen. Außer der Hauptachse verfügten die Gaspedale über keine zusätzliches Gelenk, das den Druck von solchen Störeinflössen aufnehmen würde, zitiert die Los Angeles Times aus noch einem unveröffentlichten Bericht der Sicherheitshüter. Betroffen sind sieben Modelle, darunter die Oberklasselinie Lexus und das moderne Ökoauto Prius.

Anfang Oktober hatte Toyota lediglich eine Warnung an die Fahrer von 3,8 Mio. Fahrzeugen herausgegeben. Inzwischen kann das Unternehmen einen späteren Rückruf in gleicher Sache nicht mehr ausschließen. Der Fahrer eines Lexus ES350 hatte sein Auto im August nicht mehr zum Stillstand bringen können und war in einen Erdwall gerast. Vier Menschen starben. „Unsere Kunden entscheiden sich für einen Toyota, weil sie ein besonders sicheres Auto kaufen wollen. Ich bedauere die Ereignisse ganz außerordentlich und entschuldige mich aufrichtig“, sagte Firmenchef Akio Toyoda vor drei Wochen in Tokio. Zu den möglichen Kosten eines Rückrufs wollte er sich nicht äußern.

Bereits seit acht Jahren untersuchten US-Stellen ähnliche Ereignisse. Auch andere Anbieter als Toyota sind betroffen. Die Ermittler waren zusammen mit den Herstellern dem Verdacht nachgegangen, dass Bodenmatten – oder eine andere Ursache – die unerwünschte Beschleunigung ausgelöst haben könnte. Das Ergebnis lautete, dass die Matten tatsächlich als Ursache in Frage kommen, wenn sie nicht wie vorgesehen befestigt sind. Korrekt befestigte Originalteile stehen jedoch bislang nicht unter Verdacht. Da in den USA Produkthaftungsklagen auf hohe Entschädigungen möglich sind, verfolgen sich mehrere Kanzleien die Fälle mit viel Aufwand.

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