Autobranche
Toyota drosselt Produktion drastisch

Der japanische Autohersteller Toyota plant offenbar, seine Produktionskapazitäten drastisch zu kürzen. Der Branchenprimus wolle seine Kapazitäten langfristig um eine Million auf 8,5 Millionen Fahrzeuge pro Jahr drücken, berichteten japanische Zeitungen.

TOKIO/FRANKFURT. Toyota wollte sich zu diesen Informationen nicht äußern, bestätigte am Mittwoch aber, zunächst eine Produktionslinie für etwa 220 000 Fahrzeuge pro Jahr stillzulegen.

Hintergrund ist die schwierige Lage des Automarkts. Konzernchef Akio Toyoda sagte im Juni, er rechne nicht mit einer schnellen Besserung der Lage. Erst in zwei bis drei Jahren werde das Unternehmen seine Kapazitäten von derzeit 9,5 Mio. Fahrzeugen wieder auslasten können. Für 2009 erwartet Toyota einen Absatz von 6,6 Mio. Autos weltweit, das sind 967 000 weniger als im vergangenen Jahr.

Die Japaner leiden damit deutlich stärker unter der Wirtschaftskrise als der deutsche Rivale Volkswagen. VW-Chef Martin Winterkorn hatte das Ziel ausgegeben, den Weltmarktführer bis spätestens 2018 zu entthronen. Nach dem Einstieg bei Porsche will Winterkorn nun richtig Gas geben. So liebäugeln die Wolfsburger im Gegensatz zu Toyota mit dem Aufbau weiterer Kapazitäten. Die derzeitigen Fertigungsmöglichkeiten reichten nicht aus, um die Stückzahlen zu produzieren, die VW für 2018 anpeile, erklärte jüngst Finanzchef Hans Dieter Pötsch. Dann will der Konzern weltweit elf Mio. Fahrzeuge absetzen.

VW hat im vergangenen Jahr gut 6,2 Mio. Fahrzeuge verkauft, Toyota setzte dagegen etwa 8,9 Mio. Autos ab. Im ersten Halbjahr 2009 hatte sich Volkswagen bereits weiter an den absatzstärksten Hersteller herangeschoben. Im Gegensatz zu den Wolfsburgern, die in den USA kaum Marktanteile halten, leidet Toyota massiv unter der Krise des großen amerikanischen Automarktes, auf dem die Japaner bis zur Finanzkrise drei Mio. Fahrzeuge verkauften. Die momentane Schwäche der Japaner lässt den Herausforderer aus Wolfsburg deshalb näher rücken. Doch Winterkorn warnt, die Japaner abzuschreiben: „Toyota wird wiederkommen“, glaubt der VW-Chef. Auch Analysten rechnen mit einem Wiedererstarken Toyotas, sobald sich der wichtige US-Markt wieder stabilisieren sollte. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht Toyota auch 2009 vorne.

Der Konzern ächzt allerdings unter seinen enormen Überkapazitäten: Toyota hatte in den vergangenen Jahren Kapazitäten für den Bau von bis zu zehn Mio. Fahrzeugen aufgebaut – von denen derzeit weniger als 70 Prozent benötigt werden. Eine Produktionslinie im Werk Takaoka werde nun vorerst stillgelegt, sagte eine Sprecherin am Mittwoch in Tokio. Die Schließung der Produktionslinie ist zunächst auf die Zeit vom kommendem Frühjahr bis 2011 beschränkt. Auch ein Joint-Venture mit dem US-Autobauer General Motors in Kalifornien steht vor dem Aus.

Toyota versucht mit den Kürzungen, seine Verluste zu begrenzen. Die Japaner sind dafür bekannt, Absatzkrisen ohne größere Entlassungen durchzustehen. So soll ein Teil der Arbeiter in Takaoka die Maschinen und Einrichtungen solange warten und renovieren, bis die Produktion wieder anläuft.

In diesem Jahr könnte diese Strategie allerdings hohe finanzielle Belastungen bedeuten. Toyota versucht derzeit Kostensenkungen von mehr als sechs Milliarden Euro durchzusetzen und rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit einem Verlust in Höhe von drei Milliarden Euro. Konzernchef Akio Toyoda hat jedoch seine Entschlossenheit geäußert, schon im kommenden Jahr wieder einen Gewinn vorweisen zu können.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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