Autobranche
Toyota ist weniger kreditwürdig

Nach Rekordverlusten wird der Weltmarktführer von einer Ratingagentur hunter gestuft. Angsichts der ernsten Lage spart Toyota sogar an "heiligen" Kostenpositionen: Der Aufwand für Forschung und Entwicklung soll sinken.

TOKIO. Der japanische Autokonzern Toyota rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit einem noch höheren Verlust als bisher befürchtet. "Wir sind doppelt getroffen vom schwindenden Fahrzeugabsatz und dem starken Yen. Jetzt verringern wir die Kosten überall da, wo es geht", sagte Vorstandsmitglied Mitsuo Kinoshita am Freitag in Tokio. Das Minus soll in diesem Jahr (bis Ende März) knapp drei Milliarden Euro betragen. "Es gibt viele Unsicherheiten, und es bleibt sehr schwer, die Zukunft einzuschätzen. Sicher ist nur, dass das Marktumfeld sehr streng ist", sagte Kinoshita. Bisher hatte Toyota fürs Gesamtjahr noch einen kleinen Nettogewinn erwartet.

Die Ratingagentur Standard & Poor?s stufte Toyota wegen der schlechten Ertragslage am Donnerstag eine Kategorie herunter. "Der kurzfristige Druck auf Toyotas Profitabilität während des laufenden Verfalls der globalen Automärkte und der Aufwertung des Yens haben unsere Erwartungen noch übertroffen", notieren die Analysten. Allein im Quartal von Oktober bis Dezember hatte Toyota im Vorjahresvergleich netto 165 Milliarden Yen (1,4 Milliarden Euro) verloren. Der weltweite Marktführer verkaufte knapp vierhunderttausend Autos weniger als im dritten Quartal des Vorjahres. Fürs Gesamtjahr liegt die Prognose nun bei 7,3 Millionen Autos, etwas weniger als im Dezember angekündigt. In den zwölf Monaten bis März 2008 hatte Toyota noch knapp neun Millionen Fahrzeuge verkauft.

Angesichts des gewaltigen Verlustes steckt das japanische Unternehmen jetzt ausgerechnet dann im in der Krise, als es gerade zum weltweit größten Autokonzern aufgestiegen ist. Ab Juni soll daher mit Akio Toyoda ein neuer Chef das Unternehmen mit 315 000 Mitarbeitern führen. Seine Aufgabe: sparen und streichen. Doch Toyota kennt hier Grenzen. "Wir planen nicht, ein Werk ganz zu schließen", versicherte Kinoshita. Von 74 Standorten weltweit laufen jedoch 27 bereits auf nur einer Schicht, und der Ausstoß soll weiter sinken. Ab März will Toyota zunächst die vielen Tausend Autos verkaufen, die bereits auf Halde stehen. "Das läuft unausweichlich auf weitere Urlaubstage für unsere Mitarbeiter hinaus", sagte Kinoshita. Die Entlassung von festangestellten Mitarbeitern in Japan sei nicht geplant, doch der Abbau von 3 000 weiteren Zeitverträgen aber sehr wahrscheinlich. Auch im Ausland sollte Personal abgebaut werden, jedoch so verträglich wie möglich.

Toyota spart angesichts der ernsten Lage jetzt auch an heiligen Kostenpositionen. Der Aufwand für Forschung und Entwicklung soll sinken. Das Unternehmen hat jetzt schon Überkapazitäten von jährlich etwa drei Millionen Einheiten - da wird es auch wenige in neue Ausrüstung investierten. "Dadurch sinken als Nebeneffekt auch unsere Abschreibungskosten. Diese waren in der Phase der schnellen Expansion in den vergangenen Jahren durchweg sehr hoch", so Kinoshita. Über alle Unternehmensteile hinweg sollen die Kosten um zehn Prozent heruntergehen.

Toyota lässt sich von der Krise jedoch nicht in seiner Vorwärtspolitik beirren. Das Unternehmen will jetzt erst recht neue Modelle entwickeln. "Wir hören auf die Stimme unserer Kunden, wie sich in den Krise ihre Vorlieben ändern, und wollen auf diese Wünsche eingehen", sagte Kinoshita. Vermutliche laufe das auf die Produktion von mehr sparsamen Kleinwagen hinaus, aber auch eine exklusive Hybridversion des Flaggschiffmodells Lexus sei geplant. "Wir wollen in allen Regionen mehr attraktive Modelle anbieten", versprach Kinoshita. Das Unternehmen besitzt mehrere Milliarden an Rücklagen, die es jetzt in der Krise für die Entwicklung nutzen kann - der Effekt wäre ein Vorsprung, sobald die wirtschaftliche Lage wieder besser wird.

Toyota

wäre nicht Toyota, wenn die Führungskräfte nicht auch mit Selbstkritik und etwas Pessimismus hervorträten. "Während unserer Geschäftsausdehnung haben wir noch nicht in allen Märkten den besten Service angeboten und nicht allen Bereichen die nötige Aufmerksam geschenkt, daran werden wir jetzt arbeiten", sagte Kinoshita. Und wiederholte noch einmal: "Dieses Jahr wird wirklich sehr schwer, mit einer schnellen Erholung rechnen wir nicht." Das Unternehmen verkaufte in den USA in den neun Monaten von April bis Dezember 374 000 Autos weniger als im Vorjahr. In Asien steigerte Toyota zwar den Absatz um 38 000 Stück - das waren jedoch bei weitem nicht genug, um die US-Schwäche aufzufangen.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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