Autobranche
US-Autobauer bekommen 17,4 Milliarden

Das lange Hickhack ist beendet: Die US-Autobauer erhalten eine Finanzspritze von 17,4 Milliarden Dollar. Während Ford dankend ablehnt, würde die Hilfe für GM und Chrysler nicht die Rettung bedeuten.

HB WASHINGTON. Die notleidende US-Autoindustrie bekommt eine Atempause bis Ende März. US-Präsident George Bush kündigte am Freitag Kredite von mehr als 17 Mrd. Dollar an. Mit ihnen sollen die schwer angeschlagenen Konzerne General Motors, Chrysler und Ford drei Monate für rasche Sanierungsschritte bekommen. Die Kredite seien an strenge Bedingungen geknüpft. Die Unternehmen müssten bis März ihre Zukunftsfähigkeit unter Beweis stellen.

In einer ersten Tranche sollen 13,4 Mrd. Dollar ausgezahlt werden, und in einer zweiten Rate im Februar weitere vier Mrd. Dollar. Das Geld kommt aus dem 700-Milliarden-Dollar-Rettungspaket, das eigentlich ausschließlich für den Finanzsektor gedacht war. Die Regierung erhalte im Gegenzug stimmrechtslose Aktien.

Die Mittel sollen aus dem Fonds abgezogen werden, der primär für die Finanzbranche eingerichtet wurde. Die Autobauer General Motors und Chrysler sollen die Kredite im Dezember und Januar erhalten und bei Bedarf sofort darauf zugreifen können. Chrysler-Chef Robert Nardelli erklärte, sein Konzern werde zunächst vier Mrd. Dollar in Anspruch nehmen. GM teilte mit, die Staatshilfen würden die langfristige Sanierung des Konzerns beschleunigen. Ford will zunächst seinen Konzernumbau ohne Staatshilfe vorantreiben.

„Das amerikanische Volk will, dass die Autofirmen erfolgreich sind - und ich auch“, sagte Bush. Die Autobauer hatten zuletzt um das Überleben bangen müssen, da der Senat ihnen die kalte Schulter gezeigt und Hilfen verwehrt hatte. Die Aktien von GM und Ford legten kurz nach Börseneröffnung an der Wall Street deutlich zu.

Aus dem Präsidialamt verlautete, die Überlebenshilfen für die Autobauer seinen allerdings an Auflagen geknüpft. Die Firmen müssen demnach die Umweltfreundlichkeit ihrer Autoflotte verbessern und auch die Managerbezüge kappen. Die Konzernlenker dürfen künftig auch keine Firmenjets mehr nutzen. In der US-Öffentlichkeit hatte es für großen Unmut gesorgt, dass die Chefs der drei großen US-Autobauer zu den Kongress-Anhörungen über Staatshilfen mit diesen Jets angereist waren, statt auf Linienflüge zurückzugreifen.

Der scheidende US-Präsident hat mit dem Rettungsplan noch vor der Vereidigung seines Nachfolgers Barack Obama am 20. Januar die seit langem schwelende Krise um die Autobauer vorerst entschärft. Falls sich aber die Firmen trotz der Hilfen bis Ende März als nicht überlebensfähig erweisen, behält sich der Staat die Rücknahme der Gelder vor.

Vor allem der Opel-Mutter General Motors und Chrysler drohte ohne rasche Hilfen die Insolvenz. Nachdem ein Milliarden-Rettungspaket im US-Senat gescheitert war, lag das Schicksal der Autobauer mit ihren mehreren hunderttausend Mitarbeitern in den Händen des scheidenden US-Präsidenten.

Der US-Autokonzern Ford will von dem milliardenschweren Kreditangebot der Regierung allerdings vorerst keinen Gebrauch machen. Ford befinde sich in einer anderen Lage als die Konkurrenten General Motors und Chrysler, betonte Ford-Chef Alan Mulally am Freitag. „Wir benötigen keine kurzfristige finanzielle Hilfe von der Regierung.“

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