Autobranche
Verschmelzung von Porsche und VW verzögert sich

Die Zahlen stimmen, die Laune auch. Eigentlich hätte für den neuen Porsche-Chef Matthias Müller auf seiner ersten Bilanz-Pressekonferenz heute alles glatt laufen sollen. Doch plötzlich haben sich auf dem Weg zur Fusion Porsches mit Volkswagen neue Hürden aufgebaut: Der Zeitplan ist möglicherweise nicht zu halten.
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mcs/HB STUTTGART. Zehn vor zehn Uhr posiert Martin Winterkorn für die Kameraleute vor einem blauen Porsche 911 Cabrio. Als Matthias Müller, neuer Chef der Porsche AG dazutritt, holt Winterkorn den Vertrauten zu sich, setzt sich ans Steuern, Müller nimmt auf dem Beifahrersitz Platz.

Winterkorn greift sich Müller auch später auf dem Podium der Bilanz-Präsentation der Dachgesellschaft Porsche SE, die der VW-Chef in Personalunion führt. Wieder klicken die Kameras. Die beabsichtigte Symbolik ist offensichtlich: Wir stehen zusammen.

Das Signal ist wichtiger denn je, denn für kommendes Jahr vereinbarte Verschmelzung der Autobauer VW und Porsche kommt wohl später als geplant. Grund seien Schadenersatzklagen in den USA und Deutschland sowie unklare rechtliche und steuerliche Fragen. "Aus diesem Grund könnte sich die angestrebte Verschmelzung verzögern", räumte Martin Winterkorn ein.

Die Verschmelzung bleibe aber "erklärtes Ziel" beider Unternehmen. Der im Jahr 2009 vereinbarte Zusammenschluss beider Unternehmen könne gegebenenfalls auch über eine höhere Beteiligung von VW an der Porsche Zwischenholding vollzogen werden.

Auch Porsche-SE-Finanzchef Hans Dieter Pötsch sagte, der Zeitplan für die bis Ende 2011 geplante Verschmelzung sei möglicherweise nicht zu halten. "Der Hauptgrund für meine Zurückhaltung liegt darin, dass die vorzunehmende rechtliche und steuerliche Prüfung der komplexen Transaktion noch nicht abgeschlossen ist", sagte der Manager. Vor der Verschmelzung mit VW muss die hochverschuldete Porsche SE zudem noch ihr Kapital erhöhen, um die Schulden zurückzuführen.

Diese Kapitalspritze um bis zu fünf Mrd. Euro soll im ersten Halbjahr kommenden Jahres durch die Stamm- und Vorzugsaktionäre erfolgen. Ende Juni 2011 wird eine Kreditlinie der Porsche SE in Höhe von 2,5 Mrd. Euro fällig. Die Banken hätten sich jedoch bereit erklärt, den Fälligkeitstermin um bis zu vier Monate zu verlängern, sagte Pötsch, der auch bei VW die Finanzen führt.

Porsche hält knapp 51 Prozent der Stimmrechte an VW, der Wolfsburger Konzern wiederum ist mit 49,9 Prozent am Fahrzeuggeschäft von Porsche beteiligt.

Zudem nannte Porsche sein Zahlenwerk detaillierter vorgestellt: Der Autobauer ist mit einem Absatz- und Umsatzplus in das im August begonnene neue Geschäftsjahr gestartet. "Bisher liegen wir bei Absatz und Umsatz über den Vergleichsmonaten des Vorjahres", sagte der neue Chef der Porsche AG, Matthias Müller. "Das zeigt einmal mehr: Porsche fährt wieder auf Wachstumskurs." Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte der Sportwagenbauer mit 7,8 Milliarden Euro den höchsten Umsatz seiner Unternehmensgeschichte eingefahren. Der Absatz von Sport- und Geländewagen war um 8,8 Prozent auf 81 850 Fahrzeuge gestiegen.

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