Autobranche
VW: Der Plan B des Patriarchen

Porsche ist bei der geplanten VW-Übernahme in die Defensive geraten. Jetzt sollen die Wolfsburger angeblich den Spieß umdrehen. Doch kann sich VW eine Übernahme von Porsche überhaupt leisten? Und welche Rolle würde Ferdinand Piëch dann spielen? Das Handelsblatt erklärt die Konsequenzen des Übernahme-Szenarios.

HB DÜSSELDORF. Die wohl spektakulärste Übernahme der deutschen Nachkriegsgeschichte droht auf den letzten Metern zu scheitern. Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass der Stuttgarter VW-Mehrheitsaktionär Porsche den Plan, die komplette Macht in Wolfsburg zu übernehmen, in der schwersten Branchenkrise seit Jahrzehnten auf Eis legen muss. Ein Grund: Das VW-Gesetz, das entscheidenden Einfluss des Großaktionärs Niedersachsen festschreibt, fällt wohl nicht so schnell wie in Stuttgart erhofft. Intern werden bereits Notfallpläne wie eine Übernahme der Porsche AG durch Volkswagen durchgespielt. Doch das wäre nur eine Möglichkeit, mit der der Porsche-Eigentümer-Clan die Situation klären könnte – allerdings eine, die VW-Patriarch Ferdinand Piëch wieder zum starken Mann machen würde. Die zentralen Fragen eines solchen Szenarios:

Wie sieht das Szenario überhaupt aus?

Bislang hält die Porsche Holding SE sowohl den Sportwagenbauer Porsche als auch die Mehrheitsanteile an Volkswagen. Für die VW-Aktien hat sie hohe Schulden aufgenommen und heftige Risiken in Kauf genommen. In dem Planspiel würde Volkswagen der Holding SE die Porsche AG abkaufen – für geschätzte acht Mrd. Euro. Die Holding wäre nahezu schuldenfrei und risikoarm, VW und Porsche würden zusammen zu einem integrierten Konzern. Die Holding allerdings verlöre ihr operatives Spielfeld – die Porsche AG – und würde zum Finanzvehikel kastriert. VW wiederum wäre ärmer: Ihre liquiden Mittel flössen großteils an die Holding SE.

Was spricht dafür?

Volkswagen ist viel größer als Porsche. Wenn Volkswagen Porsche kauft, wedelt der Hund wieder mit dem Schwanz, nicht umgekehrt. Volkswagen würde zu seinen Marken VW, Audi, Skoda, Seat, Bentley und anderen einfach eine weitere dazubekommen und könnte Porsche integriert führen.

Wer wären die Verlierer?

Alle diejenigen im Porsche-Clan, die bislang Porsche als unabhängige Firma weiterführen wollen. Das bisherige Konzept der Übernahme folgt den Machtlinien innerhalb der Familien Piëch-Porsche mehr als der industriellen Logik. Es nimmt also starke Rücksicht auf die Eigentumsverhältnisse.

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