Autobranche
VW setzt auf indischen Automarkt

Jahrelang hat VW gezögert, groß in Indien einzusteigen. Mit einem neuen Werk versucht der Autobauer ab dieser Woche, in kurzer Zeit aufzuholen, was er zuvor versäumt hat.

PUNE. Wie aus einer fernen, archaischen Welt erscheint einem dieser Ort. Ockerfarbene Ödnis, soweit das Auge reicht. Kein Baum, kein Grün, das die glühende Nachmittagshitze erträglicher machen würde. Ein paar ärmlich gekleidete Arbeiter schaufeln Bauschutt auf einen klapprigen Handwagen. In der Ferne rollt ein Bagger, eingehüllt in eine Wolke Staub, langsam über die Ebene. Das ist es, was man aus den schmalen Fenstern der klimatisierten Hallen sehen kann.

Chakan bei Pune, 150 Kilometer östlich von Indiens Finanzmetropole Bombay. Der Ort, an dem Volkswagen ein wegweisendes Experiment wagt.

In den Hallen stehen hochmoderne Montageroboter, das Flimmern der Bildschirme spiegelt sich auf den blitzblanken Fußböden. Am Dienstag werden sie eingeweiht. Dann baut VW in dieser Einöde Autos für ein Land, von dem die Optimisten sagen, sein Wachstum werde das Chinas in den Schatten stellen.

VW wolle in zehn Jahren zum weltweit führenden Autokonzern werden, größer noch als Toyota, hat Konzernchef Martin Winterkorn als Ziel vorgegeben. Die Japaner sind längst in Indien. Jetzt, mitten in der schlimmsten Autokrise seit Jahrzehnten, macht sich auch der deutsche Autobauer auf den Weg. "Wenn wir ganz nach vorn wollen, dann müssen wir hier produzieren", sagt Jörg Müller, Volkswagens oberster Manager in Indien.

580 Millionen Euro hat der Wolfsburger Konzern in die neue Fabrik gesteckt. Müller, 47 Jahre alt, ein ruhiger Typ mit Brille und millimeterkurzem Stoppelhaar, muss dafür sorgen, dass die riskante Expedition nicht floppt. Es ist die größte Investition, die jemals ein deutsches Unternehmen in Indien getätigt hat. Wenn das Werk ausgelastet ist, denn rollen hier jährlich 110 000 Autos vom Band. Als Erstes soll der Skoda Fabia gebaut werden, ab Anfang kommenden Jahres der neue Polo. Müller muss nun regeln, dass die riskante Expedition nicht floppt.

Denn auch Indien spürt die Krise. Zwar stiegen im Februar die Pkw-Verkäufe erstmals seit fünf Monaten wieder, um satte 15 Prozent. Über das gesamte Jahr 2008 gesehen brachen die Pkw-Absätze aber um 14 Prozent ein, bei leichten Nutzfahrzeugen betrug das Minus sogar 58 Prozent. Das erhoffte Wachstum von neun bis zehn Prozent pro Jahr ist erst einmal vorbei.

Ein denkbar schlechter Zeitpunkt für den Start oder, Herr Müller?

"Keineswegs", widerspricht der. Er sitzt im Besprechungsraum einer kleinen Verwaltungsbaracke auf dem Werksgelände, die Deckenleuchte flackert. Krise hin oder her, sagt Müller, Indien sei mit seinen 1,1 Milliarden Menschen eine riesige Chance. Auf tausend Einwohner kämen nur sieben Autos, in Deutschland seien es 580. Das allein zeige doch schon das große Potenzial. Und die Schwächephase, die sei vermutlich bald schon vorüber. Die jüngsten Absatzzahlen im Februar jedenfalls wiesen ja bereits wieder nach oben.

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