Autobranche
VW setzt unverdrossen weiter auf Russland

Volkswagen zeigt sich trotz erheblicher Rückschläge von einem Happy End des russischen Automärchens überzeugt. Am Dienstag starteten die Wolfsburger die Vollproduktion ihres Werkes. Vw hofft, bis 2019 in Russland mit 3,6 Mllionen Autos pro Jahr zu verkaufen. Doch derzeit darf man Fragezeichen setzen.

HAMBURG/MOSKAU. Der Markt werde bis 2018 im Vergleich mit der Höchstmarke des Jahres 2008 um gut ein Drittel zulegen, prognostiziert Konzernchef Martin Winterkorn Derzeit reicht der VW-Absatz bei Weitem nicht aus, um das auf eine Jahresproduktion von bis 150 000 Autos ausgelegte VW-Werk in Kaluga, südwestlich von Moskau auszulasten. In den ersten neun Monaten des Jahres verkaufte der Konzern mit 72 497 Autos gut 20 Prozent weniger als noch im Vorjahreszeitraum.

Im selben Zeitraum ist der krisengeschüttelte russische Automarkt um die Hälfte geschrumpft. Beobachter gehen davon aus, dass der Absatz erst im Jahr 2011 wieder anzieht. Dann will VW vorbereitet sein. Winterkorn startete gemeinsam mit Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin die Montage von kompletten Autos. Bislang wurden in Kaluga nur Modelle aus vorgefertigten Modulen zusammengesetzt. Nun werden die Karosserien des VW Tiguan und des Skoda Octavia vor Ort gebaut, lackiert und montiert. Winterkorn sagte: „Spätestens mit dem heutigen Tag verstehen wir uns auch als russischer Hersteller.“ Der Bau von drei weiteren Modellen soll folgen, darunter eine speziell für Russland entwickelte Limousine.

VW-Produktionschef Jochem Heizmann verwies auf den relativen Fortschritt. Nimmt man die Konzernmarken Audi, Skoda und VW zusammen, haben sich die Wolfsburger in der russischen Absatzstatistik von Platz acht auf Rang drei vorgearbeitet. Seit dem Montagestart vor knapp zwei Jahren steigerte der VW-Konzern den Marktanteil von 3,2 Prozent auf aktuell 6,6 Prozent. Branchenanalyst Frank Schwope von der NordLB sieht Potenzial in Russland für einen Marktanteil von zehn bis elf Prozent. In den nächsten Jahren könnte der Absatz des Konzerns somit auf bis zu 200 000 Autos steigen.

Als die Wolfsburger vor zwei Jahren ihre Fabrik eröffneten, galt Russland angesichts zweistelliger Zuwachsraten als Boommarkt – und schickte sich an, Deutschland als größten Automarkt Europas zu überholen. Um am Boom mitverdienen zu können, stampften die VW-Strategen in weniger als einem Jahr Bauzeit die Autofabrik aus dem Boden, deren jährliche Kapazität in letzterAusbaustufe auf 300 000 Autos gesteigert werden kann. Unter dem Strich haben die Deutschen fast 800 Mio. Euro in Russland investiert.

Doch VW kämpft mit großen Startproblemen. Die Wolfsburger hatten Mühe, wettbewerbsfähige Zulieferer zu finden, die ihre internationalen Qualitätsstandards erfüllen. Die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern gestaltete sich schwierig. Geeignete Facharbeiter sind in der auch von Konkurrenten geschätzten neuen Autoregion Kaluga schwer zu finden. Zeitweise musste VW mehr als 100 hoch bezahlte Manager und Ausbilder in einem Vier-Sterne-Hotel einquartieren, um Facharbeiter auszubilden.

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