Autobranche
VW verzichtet auf einen MAN-Aufsichtrat

Die sich nach europäischem Aktienrecht formierende MAN SE überrascht mit dem Personaltableau für den Aufsichtsrat. Demnach soll der Chef von Volkswagens Nutzfahrzeugsparte (VWN) Stephan Schaller dem Gremium nicht mehr angehören. Das geht aus der Einladung für die Hauptversammlung hervor, die MAN am dritten April abhalten will.

MÜNCHEN. Insgesamt werden dem neuen MAN-Aufsichtsrat nur noch 16 Mitglieder angehören, statt bisher 20. Volkswagen hält dreißig Prozent an MAN und hatte bislang drei Sitze im Kontrollgremium. Neben Schaller sitzen dort Audi-Chef Rupert Stadler und VW-Patriarch Ferdinand Piëch, der auch den Vorsitz führt. Schallers Nichtnominierung werten Beobachter als weiteres Indiz für die Eigenständigkeit des MAN-Konzerns von Volkswagens Nutzfahrzeugsparte. Über die Strategie des Lkw-Herstellers entscheide Piëch persönlich, nicht das Management von VWN. Die Niedersachsen hatten zwischenzeitlich gehofft, als Integrator des Nutzfahrzeuggeschäftes zu fungieren.

Die aktuelle Entwicklung hatte sich im Dezember angedeutet, als MAN Volkswagens Lkw-Geschäft in Brasilien übernommen hatte. Zunächst hatten die Münchener nur über eine Kooperation im Motorenbereich mit der Wolfsburger Mutter gesprochen, am Ende überließ der Großaktionär den Münchenern das Feld in Südamerika ganz. MAN erhöht seine Produktionskapazität mit dem Werk in Brasilien schlagartig um ein Drittel auf rund 150 000 Lkw. VW konzentriert sich hingegen auf den Bereich der kleinen Transporter.

Auch die IG Metall und die MAN-Betriebsräte müssen im neuen Aufsichtsrat Abstriche machen. Gleich vier deutsche Arbeitnehmervertreter räumen ihren Platz, darunter auch der langjährige Betriebsratschef Lothar Pohlmann. Neu in das Gremium kommt Marek Bedychowski, der die Beschäftigten des neuen Lkw-Werkes in Krakau vertritt. Der Österreicher Erich Schwarz wird die Beschäftigten aus dem Werk in Steyr vertreten.

Offen bleiben die Pläne, die VW mit seiner zweiten LKW-Beteiligung Scania verfolgt. Vor zwei Jahren hatte MAN erfolglos versucht, den schwedischen Konkurrenten feindlich zu übernehmen. Daraufhin kaufte sich VW eine Sperrminorität bei MAN und übernahm siebzig Prozent von Scania. Offiziell bestätigt keine der Parteien Gespräche über eine mögliche Kooperation.

Die Umfirmierung kommt in einer Zeit, in der MAN mit der schlimmsten Branchenkrise seit Jahren zu kämpfen hat. Nach fünf Jahren Lkw-Boom kam die Nachfrage im zweiten Halbjahr 2008 abrupt zum Stehen. Gerade einmal 360 Lkw verkaufte MAN im Schlussquartal bei einer gleichzeitigen Produktionskapazität von 25 000. In fast allen Werken herrscht daher Kurzarbeit. MAN-Chef Hakan Samuelsson hat ein Sparprogramm in Höhe von 500 Mio. Euro für dieses Jahr angekündigt.

Der Branchenverband ACEA meldet für Januar ein Absatzminus von 35,6 Prozent gegenüber Vorjahr. Besonders ist das Geschäft mit schweren Lkw in Osteuropa eingebrochen.

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