Autobranche
„Zu lange mit Scheuklappen herumgelaufen“

Sechs Fragen an Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft in Gelsenkirchen.

Handelsblatt: Haben die deutschen Hersteller den Trend zu spritsparenden kleineren Fahrzeugen verschlafen?

Dudenhöffer: Nein, das kann man nicht sagen. Eine Ölpreisexplosion dieses Ausmaßes konnte wirklich niemand vorhersehen. Wer das vor fünf Jahren schon wusste, hätte schon der liebe Gott sein müssen.

Aber es gab ja schon das Drei-Liter-Auto von Volkswagen. Stünde der Konzern jetzt nicht besser da, wenn er den Lupo nicht eingestampft hätte. Stattdessen wurden Monster-Geländewagen wie der Tuareg oder der Q7 gebaut. Glauben die Autokonzerne an die falschen Ideale?

Der Premiummarkt lief eben lange sehr gut. Da war der Entscheidungsdruck nicht gerade groß, ausgesprochene Spritsparmodelle zu bauen. Es wäre jedenfalls besser gewesen, wenn VW früher an Toyota geglaubt hätte. Der Hybrid ist die Übergangstechnologie zum reinen Elektroantrieb. Die deutschen Hersteller sind perfekt bei Verbrennungsmotoren - und deshalb zu lange mit Scheuklappen herumgelaufen.

Was ist die größte Herausforderung für die deutschen Autobauer?

Aus meiner Sicht ist die größte Herausforderung eine vernünftige Positionierung des Elektromotors. Spätestens ab 2015 wird der Elektromotor mit leistungsfähigen Lithium-Ionen-Batterien dem Verbrennungsmotor den Rang ablaufen. Mir ist es einfach ein Rätsel, warum beispielsweise der weltgrößte Zulieferer Bosch nicht früher den Elektromotor forciert hat, wo er doch die Kompetenz sogar im eigenen Haus hat.

Vielleicht weil die eigene Dieseltechnologie überzeugend ist?

Bosch hat sich mit dem Diesel einfach zu sicher gefühlt. Große Joint Ventures wie mit Sanyo bei Batterien hätten früher kommen müssen. Stellen Sie sich vor, der Elektromotor kommt, wie ich es erwarte. Was für ein Geschäftsmodell hat dann der Kolbenhersteller Mahle? Und wem will ZF Friedrichshafen dann seine Getriebe verkaufen oder Eberspächer seine Abgasanlagen? Die sind nämlich bei einem Auto mit Elektromotor überflüssig.

Bis zum Siegeszug des Elektromotors wird es aber noch etwas dauern. Selbst nach Ihren Schätzungen müssen die deutschen Konzerne noch sieben Jahre Autos mit Verbrennungsmotoren bauen und verkaufen. Was wären jetzt die richtigen Schritte?

Spritsparende Direkteinspritzung muss konsequent in alle Fahrzeuge eingebaut werden. Start-Stopp-Automatik ist ein weiterer Punkt. Es müssen kleinere und intelligentere Brötchen gebacken werden.

Das klingt aber nicht gerade reizvoll für eine Industrie, die jahrelang leistungsstarke PS-Boliden vergöttert hat?

Das Image der deutschen Industrie basiert auf Leistungsstärke. Wenn sich die Hersteller anstrengen, kann dieses Image auch beim Elektromotor erhalten werden.


Die Fragen stellte Martin-W.Buchenau.

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