Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer
„Konjunkturprogramm für Zulieferer“

Nachdem die EU-Kommission die CO2-Grenzwerte für neue Autos definiert hat, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Car-Instituts an der FH Gelsenkirchen, dass die deutschen Autohersteller keine Wahl haben: „Sie werden einen Großteil der Kosten auf ihre Kunden umlegen.“ Wem die Pläne ihm zufolge dienen und wem sie schaden.

Herr Dudenhöffer, welche Folgen hat der EU–Vorschlag?

Noch fehlen leider die Details. Bei einer so wichtigen Sache hätte ich mir Einzelheiten gewünscht. Unklar bleibt etwa, wie die Kommission Kleinwagen definiert. Klar ist, dass die Franzosen und Italiener aufgrund ihrer Modellpalette profitieren.

Welche Auswirkungen hat das auf die deutschen Autohersteller?

Die werden sich keinesfalls mit dem Vorschlag abfinden. Und die Kommission wird den Deutschen am Ende entgegenkommen. Fest steht aber, dass ab 2012 jeder Hersteller spritsparende Technik in seine Fahrzeuge einbauen muss – sonst wird es aufgrund der Strafen teuer.

Welche Auswirkungen haben solche Strafen?

Sie sind ökonomisch ein richtiger Hebel. Die Spritfresser werden teurer, sparsame Modelle günstiger.

Werden die Hersteller das auf ihre Kunden umlegen?

Sie haben keine Wahl. Einen Großteil müssen sie umlegen, um die Mehrkosten pro Auto von drei- bis viertausend Euro zu schultern. Das können sich selbst Premiumhersteller angesichts des harten Wettbewerbs in der Autobranche nicht erlauben. Und das wird ihre Margen bis zum Jahr 2015 belasten. Dann sollten sie sich an die Situation angepasst haben.

Müssen die Deutschen kleinere Autos bauen?

Ja. Sie müssen sich stärker auf kleinere Fahrzeuge konzentrieren. Jetzt ist eher Mini als verlängerte S-Klasse angesagt. Alles jammern nützt ja nichts. Die Deutschen haben sich noch immer angepasst. Sie werden auch Premium light erfolgreich machen.

Welche technologischen Folgen haben die Vorgaben?

Der Leichtbau wird beschädigt. Weniger Gewicht bedeutet in der Logik der Kommission eine geringere Menge an CO2, die ausgestoßen werden darf. Das ist ein Innovationshemmnis angesichts der Bedeutung des Leichtbaus. Es profitieren dafür Technologien, wie Start-Stopp-Automatik, Direkteinspritzer und Hybridantriebe. Wird der Vorschlag Realität, ist er ein großes Konjunkturprogramm für die Zulieferer.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%