Autofinanzierer
Volkswagen-Finanzsparte fährt Rekordgewinn ein

Nicht nur beim Autoverkauf kann Volkswagen neue Rekorde vorlegen, auch die Finanzierungssparte fährt einen so hohen Gewinn wie noch nie ein. Doch auf EZB-Geld will die Bank vorerst nicht verzichten.
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FrankfurtDie Wirtschaftskrise in Südeuropa hinterlässt in der Finanzsparte von Volkswagen nur leichte Bremsspuren. Mit Finanzdienstleistungen rund um seine Pkw-Marken verdiente Europas größter Autobauer 2012 weltweit 1,41 Milliarden Euro, 17 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und so viel wie noch nie, wie Spartenchef Frank Witter am Dienstag in Frankfurt sagte. Eine halbe Milliarde Euro hätten allein die Töchter in den USA, Kanada, Spanien und Argentinien beigesteuert. Der Jahresüberschuss stieg aufgrund von Währungsabsicherungen aber nur um fünf Prozent auf 975 Millionen Euro.

In Südeuropa kämpft die Leasing-Sparte von VW mit sinkenden Restwerten der Fahrzeuge. Das Restwertrisiko stieg 2012 um gut 100 Millionen Euro, weitere 200 Millionen Euro hat VW Financial Services pauschal auf die Euro-Schuldenstaaten abgeschrieben, in diesem Jahr werde das Geschäft weiter schrumpfen. An Rückzug aus der Region denkt Witter aber nicht. "Wir sind überzeugt, dass es hier eine Wende zum Besseren geben wird", betonte er. Den klammen lokalen Banken habe der Autofinanzierer in Italien und Spanien Marktanteile abgenommen.

Insgesamt ist VW für das Finanzdienstleistungs-Geschäft nur verhalten optimistisch. Weitere Gewinnsteigerungen seien in diesem Jahr nicht zu erwarten, weil in Deutschland nur mit einem geringen Wachstum zu rechnen sei. Doch vor einer Stagnation hatte VW Financial Services AG auch schon für 2012 gewarnt - am Ende stand ein deutliches Plus zu Buche.

Insgesamt hat die VW-Finanzsparte 4,55 Millionen Fahrzeuge von Kunden finanziert, eine Steigerung von 16 Prozent. Dazu kommen 1,81 Millionen Leasing-Verträge (plus elf Prozent) und 3,28 Millionen Versicherungen (plus 22 Prozent). Kredite im Volumen von 12,9 Milliarden Euro hat der Autobauer an seine Händler vergeben, die eigene Direktbank hat inzwischen 25 Milliarden Euro an Einlagen von 1,1 Millionen Kunden eingesammelt. Das deckt knapp ein Viertel der Refinanzierung ab.

Auf die langfristigen Mittel der Europäischen Zentralbank (EZB) will Volkswagen aber noch nicht verzichten. Vor gut einem Jahr hatte Volkswagen Financial Services sich zwei Milliarden aus dem Dreijahres-Tender der Notenbank besorgt, die den Banken damit über die Euro-Schuldenkrise hinweghelfen wollte. Seit Ende Februar könnte VW das Geld zurückgeben, andere deutschen Banken nutzten die erste Gelegenheit zur kompletten Tilgung, weil sie sich billiger refinanzieren können. "Wir haben angefangen, die Rückzahlungen durchzuführen", sagte Finanzchef Frank Fiedler. Noch gebe es mit dieser Laufzeit keine Alternativen zum EZB-Geld. Wichtigste Refinanzierungsquelle für die Finanzsparte von VW bleiben Verbriefungen, für die Autokredite als Sicherheit dienen (Auto-ABS).

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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