Autohändler
„Ich kann Saab nicht mehr mit Stolz vertreten“

Die Sorgenfalten auf der Stirn vieler Saab-Händler könnten tiefer nicht sein. Der schwedische Autobauer produziert derzeit vor allem eins: schlechte Nachrichten. Händler haben längst einen Plan B in der Tasche.
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DüsseldorfLeiden können mussten Saab-Händler immer. Kaum ein Autobauer hat seinen Vertragspartnern so sehr das Leben schwer gemacht wie die Schweden. Doch so schlimm wie heute war es wohl noch nie. Mit der jüngsten Ankündigung, möglicherweise die August-Löhne nicht auszahlen zu können, hat Saabs jahrelanger Abstieg eine neue Wegmarke erreicht.

„Noch tiefer geht es nicht mehr“, konstatiert Bajram Bekirovski, Geschäftsleiter der Autoalliance Köln-Ost, nüchtern im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Bekirovski gehört zu dem letzten Häuflein von etwa 90 Händlern, die in Deutschland noch die arg ramponierte Saab-Fahne hochhalten. Fragt sich nur, wie lange noch. Die Lage ist düster. Seit April konnte im schwedischen Saab-Stammwerk in Trollhättan mit 3460 Mitarbeitern nur ein paar Tage lang produziert werden. Sonst ruhten die Bänder - kein Geld, kein Material. Saab bettelte bei verschiedensten Investoren, konnte zuletzt wochenlang keine Gehälter auszahlen, verkaufte eine Werkshalle, die dann wieder zurückgemietet wurde. Seit Mitte August versuchen schwedische Behörden, Geld einzutreiben, das Saab Zulieferern schuldet.

In Köln will sich Auto-Alliance-Geschäftsführer Bekirovski die Lage nicht schön reden. Er glaubt aber daran, dass die Marke stark genug ist, um zu überleben. Er hat soeben einen Händlervertrag mit Saab Deutschland geschlossen. Für Oktober sind die ersten sechs Modelle bestellt - im nächsten Jahr sollen 60 Neuwagen verkauft werden. Diesen Optimismus teilen allerdings nur wenige seiner deutschen Kollegen. Vor dem Verkauf durch General Motors (GM) im Februar 2010 gab es rund 120 Saab-Händler in Deutschland. Viele der verbliebenen 90 hoffen zwar, dass ein Marke wie Saab nicht sterben wird - haben aber gleichzeitig einen Plan B in der Tasche.

„Mit Saab allein kann man kein Autohaus mehr betreiben“, sagt Ulrich Kretschmer vom Kfz-Betrieb G&K in Krefeld zu Handelsblatt Online. „Wer zuvor über 100 Saab-Neuwagen pro Jahr verkauft hat, geht jetzt gegen null.“ Kretschmer fühlt sich von der Konzernspitze schlecht informiert. Er sei oft genauso ratlos wie seine Kunden. Kretschmer zieht jetzt die Konsequenzen. Er will die Saab-Einbußen durch die südkoreanische Marke SsangYong kompensieren.

Wie dramatisch die Lage für Kretschmer und seine Kollegen tatsächlich ist, zeigt ein Blick auf die Zulassungsstatistik des Kraftfahrtbundesamtes. Demnach wurden im Juli gerade einmal 22 Autos zugelassen - selbst die Luxus-Marke Aston Martin war da erfolgreicher. Und im Gesamtjahr wurden bislang alles in allem 434 neue Saabs zugelassen. Zu wenig zum Leben.

Martin Weber, stellvertretender Vorsitzender der Saab-Vertragspartner, lässt sich davon nicht erschüttern: „Die Marke ist einiges wert und die Kunden haben eine hohe Markentreue." Was aus Marken werden könne, die am Boden lägen, hätten ja Unternehmen wie Apple, Leica oder Loewe eindrucksvoll bewiesen. „Wenn die Bänder erst wieder laufen, läuft auch der Vertrieb", hofft er. Wie einige andere Saab-Händler auch hält er es für möglich, dass ein Investor erst zuschlägt, wenn der Autobauer ganz am Boden liegt. Von den Absatzzahlen her tut er das vielleicht schon heute.

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  • SAAB ist halt leider nicht systemrelevant wie unsere Bankster und Ihr perfekt organisiertes Verbrechen (Geldsystem).

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