Autohersteller
BMW fährt der Konkurrenz hinterher

Der von Vorstandschef Norbert Reithofer auf Profitabilitätskurs getrimmte Premiumhersteller BMW fährt seinen Rivalen weiter hinterher. Vor allem die hohen Aufwendungen zur Einhaltung der neuen Emissionswerte belasten die Bilanz des Herstellers. Eine neue Studie belegt: BMW muss noch kräftiger als bisher auf die Kostenbremse treten.

DÜSSELDORF. Zu diesem Ergebnis kommt eine bislang unveröffentlichte Studie zur Finanzlage von internationalen Autoherstellern und Zulieferern, die Alix Partners erstellt hat. Die Ergebnisse liegen dem Handelsblatt vor.

"Unter Risikoaspekten schneiden BMW, Renault und PSA (Peugeot und Citroën) derzeit am schlechtesten ab", sagt der Branchenexperte und Mitautor Thomas Sedran von Alix Partners. Bei den drei Herstellern habe sich die Finanzkraft in den letzten Jahren deutlich gemindert.

Die Experten werten die Stärke der Hersteller nach dem Altman-Z-Faktor, der finanzielle Schlüsselpositionen berücksichtigt. Den Spitzenwert (100 Prozent) für das Jahr 2007 erreicht demnach der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche. Während die Finanzstärke von Daimler immerhin noch 63 Prozent und die von Volkswagen 59 Prozent des Porsche-Wertes erreichen, kommt BMW nur auf 49 Prozent. "Der Vorstand von BMW muss noch kräftiger auf die Kostenbremse treten. Die Investitionen steigen deutlich stärker als der Cashflow", sagt Automobilexperte und Mitautor Vinzenz Schwegmann von Alix Partners.

Nicht zuletzt hohe Aufwendungen für die Reduktion des Klimagases Kohlendioxid belasten die Bilanzen der Hersteller. "Die Antwort auf die CO2-Debatte verschlingt Milliarden", sagt Sedran. Allein die Kosten, um die neuen Emissionsgrenzen zu erreichen, beziffert er auf rund 500 Euro pro Fahrzeug. BMW und Daimler investieren laut Studie deutlich über dem Branchendurchschnitt in abgasreduzierende Technologien. Trotz ihrer Konkurrenz führen beide Konzerne derzeit Gespräche über eine intensive Kooperation in der Entwicklung und Produktion von Fahrzeugteilen.

Um das Geschäft auf dem wichtigsten Automarkt der Welt, den USA, profitabler zu gestalten, empfiehlt die Studie den europäischen Herstellern, die Zwangslage ihrer US-Konkurrenz auszunutzen. Deren Überkapazitäten verbunden mit dem hohen Euro-Kurs sollen die Fabriken von General Motors, Ford und Chrysler für Unternehmen wie Volkswagen, die verstärkt auf den nordamerikanischen Markt schielen, attraktiv machen. "Wir können uns gut vorstellen, dass amerikanische Hersteller zukünftig ihr Geld mit Auftragsfertigung für europäische Volumenhersteller verdienen", sagt Berater Sedran. Die Palette reiche vom Bau eines Modells bis zum kompletten Verkauf von US-Fabriken.

Bedrohlicher als jemals zuvor bewertet die Studie von Alix Partners die Situation der Zulieferer. "Gut die Hälfte aller Unternehmen befindet sich mittlerweile im finanziell gefährlichen Risikobereich", sagt Schwegmann. Auch in Europa spitzt sich die Lage zu: Nach elf Prozent im Vorjahr gilt jetzt jeder fünfte Zuliefererbetrieb als gefährdet. "Die Gefahr besteht, dass sich die Situation der hiesigen Zulieferer schrittweise auf das US-Niveau bewegt", sagt der Experte. Dort ist fast jeder dritte gefährdet.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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