Autohersteller Fiat
Sattes Plus auf dem Konto

Noch vor zwei Jahren war Fiat eines der großen Sorgenkinder der Branche. Nicht wenige prophezeiten ein baldiges Ende des italienischen Autobauers. Jetzt zeigt ausgerechnet der einstige Pleitekandidat der Konkurrenz in der Autoindustrie, wie sie ihre Krise überwinden kann.
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Sergio Marchionne schätzt Anzüge nicht sonderlich. Der 55-jährige Chef des italienischen Autobauers Fiat verbirgt seine Hemden lieber unter meist dunklen Pullovern. Selbst an Orten, wo andere Vorstände gewöhnlich im vollen Ornat auflaufen, etwa auf dem Genfer Autosalon. Für Notfälle habe er natürlich immer eine Krawatte dabei, aber die komme nur selten zum Einsatz, sagt ein Fiat-Manager. Ansonsten ist bei Marchionne auch von Montag bis Donnerstag der Dresscode casual angesagt.

Der legere Auftritt verrät viel über den ehemaligen Investmentbanker, dem Inszenierungen seiner Person zuwider sind und sich nur vor Kameras stellt, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt. Marchionne ist einer, der lieber im Hintergrund arbeitet, als kühler Rechner bekannt ist - und sich 2005 mit viel eigenem Geld - schätzungsweise rund 1,5 Millionen Euro - an dem Konzern beteiligt hat, den er seit Anfang 2004 leitet: dem bis vor Kurzem als unrettbar geltenden Konglomerat Fiat.

Eigentlich wäre für ihn gerade eine gute Zeit, um sich stärker in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Denn Marchionne ist der Umschwung gelungen. Er brachte das Unternehmen, das lange in einem Atemzug mit den US-Konzernen General Motors und Ford als einer der ganz großen Krisenfälle der Autoindustrie genannt wurde, binnen weniger als zwei Jahren zurück in die Gewinnzone. Rund 376 Millionen Nettogewinn hat der Konzern, zu dem neben dem Autogeschäft auch der Lkw-Hersteller Iveco und die Landmaschinen-Tochter CNH gehören, im ersten Quartal ausgewiesen. Die Autosparte steigerte ihren Umsatz um 700 Millionen Euro und vervierfachte ihren Gewinn aus Handelsgeschäften.

Der Wert der Fiat-Aktie, die im April 2005 unter fünf Euro gefallen war, hat sich inzwischen auf mehr als 20 Euro vervierfacht - Marchionne hat seine Millionen gut angelegt, zumal er bis 2010 noch einmal 10,5 Millionen Aktienoptionen zu einem Kurs von 6,53 Euro und zehn Millionen weitere zu einem Kurs von 13,37 Euro ausüben kann. Dabei hatten Analysten den italienischen Hersteller noch vor zwei Jahren ganz oben auf der Liste, wenn es um die Frage ging, welcher Autohersteller demnächst ganz von der Bildfläche verschwinden werde. Doch Marchionne, dem anfangs aufgrund der Tatsache, dass er nicht in der Automobilindustrie groß geworden ist, kaum jemand die Sanierung von Fiat zugetraut hatte, ließ sich nicht beirren. Er löste nach dem Tod des legendären Fiat Patrons Gianni Agnelli eine Kultur-Revolution in dem ehemaligen Staatskonzern aus. Er entsorgte in der Führungsetage konsequent alle Posten, die irgendwie nach Frühstücksdirektor rochen. Und er hauchte der Kernmarke Fiat neues Leben ein, indem er sie auf das reduzierte, was sie einst groß gemacht hatte: kleine und praktische Autos, eine gute Präsenz in Schwellenländern und der Verzicht auf Segmente, in denen Fiat wegen des mangelnden Premium-Status ohnehin nicht Fuß fassen kann - etwa in der Oberklasse.

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