Autohersteller Geely: Drang nach Westen

Autohersteller Geely
Drang nach Westen

Chinas größter privater Autohersteller Geely zieht mit einem „Friedensschiff“ gen Westen. Der Mittelklasse-Wagen soll bei Amerikanern und Europäern Gefallen an Autos aus dem Reich der Mitte wecken. Teil 6 der Handelsblatt-Serie „Die neuen Weltkonzerne“.

NINGBO. Li Shufu hat sein Ziel immer klar vor Augen: Amerika. Der Nachbau des Washingtoner Parlamentssitzes „Capitol Hill“ ist einfach nicht zu übersehen. Den Koloss hat der chinesische Entrepreneur nördlich von Peking mitten in die staubige Landschaft gesetzt. Ein strahlend weißer Kuppelbau, vor dem sich der 43-Jährige gern ablichten lässt.

„Machen Sie ein schönes Bild“, fordert er die Fotografen lachend auf. „Dann bekomme ich vielleicht das nächste Mal mein US-Visum schneller.“ Den Chef von Geely drängt es gen Westen. „Wir wollen 2008 Autos auf dem US-Markt verkaufen“, kündigt der Gründer des größten privaten Autobauers Chinas an.

Als erstes Auslandsmodell kommt eine Mittelklasse-Limousine für unter 10 000 Dollar auf den US-Markt. In den „Auto-Krieg“ zieht Geely mit versöhnlichen Tönen – der Name des Angreifer-Modells bedeutet übersetzt „Friedensschiff“, auf Englisch heißt er „Freedom Cruiser“. Das war’s dann aber auch schon mit den Freundlichkeiten. 2012 soll Geely in den USA 100 000 Billigautos absetzen. Danach ist Europa dran. Erst Spanien, Italien und Frankreich; irgendwann auch Deutschland, sagt der Geely-Chef so selbstverständlich wie selbstbewusst: „Was heute Honda ist, werden morgen wir sein.“

In zehn Jahren will Geely zwei Millionen Autos fertigen, davon 1,3 Millionen für den Export. Große Pläne für einen Hersteller, der bislang 175 000 Autos im Jahr fertigt und keine 15 000 Modelle exportiert. Doch so günstig wie China sei keiner, sagt Li: „Darin kann uns kein anderes Land der Welt schlagen.“ Anders als die großen Autokonzerne setze er nicht auf globale Zulieferer: „Wir produzieren unsere Teile vorwiegend selbst.“ Und das immer besser und immer billiger.

Auch andere chinesische Hersteller wie Chery, Brilliance und SAIC setzen zum großen Sprung nach Europa und Amerika an. Der Drang nach Westen ist auch eine Flucht nach vorn. China ist zwar ein Riesenmarkt, doch schon heute wird in der Volksrepublik deutlich mehr produziert als verkauft. 2006 gab es laut Morgan Stanley bereits Überkapazitäten von mehr als 1,2 Millionen Autos. Doch nach Pekings Masterplan soll sich die Produktion im Land bis 2020 auf 20 Millionen Fahrzeuge verdreifachen. Im Reich der Mitte sollen dann zehn Prozent aller Autos weltweit produziert werden – derzeit ist es nicht mal ein Prozent.

Damit sind alle Weichen auf Export gestellt. Chinas neue Marken bekommen für die Expansion nach Übersee kräftig Rückenwind von der Regierung. „Autos sind wichtig für das Image eines Landes“, sagt Geely-Gründer Li. „Sie sind ein Symbol für die wirtschaftliche Bedeutung und den Status.“ Deutschland und die USA haben es jahrzehntelang vorgemacht. Selbst westliche Automanager in Peking räumen ein, es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis Chinas Marken überall fahren.

Seite 1:

Drang nach Westen

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%