Autohersteller, Pharmakonzerne und IT-Firmen globalisieren sich am schnellsten
Indiens Unternehmer gehen weltweit auf Einkaufstour

Jahrzehntelang waren indische Unternehmen vor allem für eines bekannt: schäbige Qualität. Doch nach langer, schmerzhafter Umstrukturierung fühlen sich viele nun erstmals fit für den weltweiten Wettbewerb. Pharmaunternehmen und Autohersteller sind unter den ersten, die den Export forcieren, in Übersee investieren und Unternehmen kaufen.

BOMBAY. Aushängeschild für die Globalisierung der indischen Industrie ist die Tata-Gruppe. Mit dem Kauf des britischen Teeherstellers Tetley für 275 Mill. Pfund (402 Mill. Euro) fiel vor drei Jahren der Startschuss für eine aggressive Internationalisierung des Mischkonzerns. Nun steht Indiens führender Nutzfahrzeughersteller kurz vor der Übernahme von Daewoos Lastwagengeschäft für 118 Mill. $. Die Personenwagensparte hat begonnen, Kleinwagen des Typs Indica unter der Marke Rover in Europa zu verkaufen. Um weitere Märkte zu erobern, prüft Tata Motors den Bau von Fabriken in China und Südostasien. Die Stahltochter steht in Übernahmegesprächen mit Südkoreas Stahlkocher Hanbo, und die konzerneigene Hotelkette Taj expandiert in China und Amerika. Zugleich plant die IT-Tochter TCS, Indiens größtes Technologieunternehmen, ein Software-Entwicklungszentrum in Schanghai, das auch Korea und Japan bedienen soll.

„Wir müssen zukaufen, um nicht länger nur von Indien abhängig zu sein“, begründet Konzernchef Ratan Tata seine Globalisierungsstrategie. In seinen Fußstapfen haben sich in den vergangenen Monaten indische Unternehmer auf eine beispiellose Einkaufstour durch Europa und Amerika gemacht. So kaufte Reliance, das größte Privatunternehmen des Landes, Flag Telecoms Unterwasserkabelnetz und die Autozulieferer Bharat Forge und Sundram Fastener akquirierten in Deutschland und England.

Nach internationalen Maßstäben sind das kleine Übernahmen. „Aber es ist der Anfang eines langfristigen Trends“, sagt Gunit Chadha, Managing Director der Deutschen Bank in Indien. Seine Bank hat Bharat Forge und Reliance bei den Zukäufen beraten und verspricht sich vor allem im Auto-, Pharma- und Softwarebereich weitere Deals. Indiens Unternehmen kaufen im Ausland neue Technologien, etablierte Marken, größere Vertriebsnetze oder anspruchsvolle Kunden, die mit „Made in India“ noch Probleme haben. Synergien realisieren sie, indem sie lohnintensive Tätigkeiten in die indische Zentrale auslagern.

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