Autohersteller
Porsche-Chef warnt vor „Trabi-Dominanz“

Die Automobilindustrie wehrt sich gegen das Klimakiller-Image und mögliche einheitliche Grenzwerte für den Kohlendioxidausstoß und greift sowohl Bundespräsident Horst Köhler als auch die EU-Komission an. Porsche kündigt gleichzeitig neue Modelle mit Hybrid-Motor an. Diese sollen noch in diesem Jahrzehnt auf den Markt kommen.

HB FRANKFURT. VW-Chef Martin Winterkorn wehrt sich gegen Vorwürfe des Bundespräsidenten Horst Köhler gegen die deutsche Autoindustrie. „Politiker zählen zu unseren besten Kunden. Und sie fahren in der Regel nicht die verbrauchsgünstigsten Modelle“, sagte Winterkorn. Köhler hatte der deutschen Autoindustrie vorgeworfen, sie habe mit Blick auf die ökologische Entwicklung kein Ruhmesblatt verdient. „Wir sind keine Schmutzfinken“, sagte auch Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und fügte an: „Wer uns als Klimakiller bezeichnet, verfolgt anders motivierte Ziele.“

Scharfe Vorwürfe richtet Winterkorn im „Spiegel“ auch gegen die EU-Kommission: „Die Europäische Kommission war drauf und dran, die Zukunft einer ganzen Industrie zu gefährden.“ Wenn sich deren ursprüngliche Pläne durchgesetzt hätten und der Durchschnittsausstoß von Kohlendioxid ab 2012 bei 120 Gramm liegen würde, dann gäbe es bald keine großen Autos mehr, „keinen Audi A8, keine S-Klasse von Mercedes-Benz und keinen 7er von BMW“, sagt Winterkorn. Profitieren würden die Produzenten aus Italien und Frankreich, die fast nur noch Kleinwagen anbieten. Da betrieben einige „knallharte Industriepolitik zu Lasten Deutschlands“.

Porsche-Chef Wiedeking erklärte in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, keiner seiner Kunden müsse sich dafür entschuldigen, dass er einen Porsche fahre. Wiedeking kündigte an, bis zum Ende des Jahrzehnts einen sparsamen Cayenne mit Hybrid-Motor auf den Markt zu bringen. Was den Benzin-Verbrauch für dieses Modell anbelangt, sei klar definiert: „Wir wollen die 8 vor dem Komma, also weniger als neun Liter Verbrauch auf 100 Kilometer. Und auch der Panamera, der 2009 auf den Markt kommen wird, wird für einen Hybrid-Antrieb ausgelegt sein.“

Wie Winterkorn sprach sich auch der Porsche-Chef gegen einheitliche Grenzwerte von 130 Gramm CO2 für alle Modelle aus: „Diesen Wert wird Porsche, wie auch andere Oberklasse-Hersteller, niemals erreichen. Würden die 130 Gramm generell für jeden Hersteller Pflicht, könnten wir die Produktion einstellen und unsere Werkstore schließen.“ Deutsche Hersteller könnten dann allenfalls Kleinwagen produzieren, warnte Wiedeking und fügte an: „Die Trabi-Dominanz hatten wir doch schon einmal in einem Teil Deutschlands; der Sozialismus würde dann auf unseren Straßen wieder fröhliche Urständ feiern.“

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Porsche erfülle weltweit alle Umweltgesetze, bekräftigte Wiedeking. „Schon im nächsten Jahr werden wir vorzeitig die erst ab September 2009 geltenden EU 5-Emissionsgrenzwerte erfüllen und damit auch gleichzeitig die EU 6-Standards, die erst am 1. September 2014 in Kraft treten.“ Auch beim Biosprit sei Porsche am Puls der Zeit“, sagte Wiedeking. In scharfen Worten kritisierte er die Grünen-Politikerin Renate Künast, die zum Kauf von Toyota-Autos aufgerufen hatte. „Schlauer wäre es gewesen, Frau Künast hätte für den VW Polo Blue Motion geworben, der ist noch sauberer als der Hybrid von Toyota. Der durchschnittliche CO2-Ausstoss der VW-Modelle liegt unter dem der Toyota-Flotte.“

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