Autoindustrie
Abwrackprämie zieht Automarkt aus dem Sumpf

Die Autoindustrie steckt in Europa immer noch in der Absatzkrise - aber vielleicht nicht mehr ganz so tief. Zwar sackte Europas Automarkt auch im März um neun Prozent ab. Aber Länder mit Abwrackprämie stemmten sich erfolgreich gegen den Abwärtstrend - so wie auch einige Autoherstellen.

HB FRANKFURT. Dank der Abwrackprämie gibt es in Europa nach Ansicht der Hersteller-Verbände erste Anzeichen für eine Stabilisierung der gebeutelten Automärkte. Zwar seien die Verkäufe europaweit im März um neun Prozent zurückgegangen und im ersten Quartal sogar um 17 Prozent, teilten VDA und Acea mit.

Allerdings stemmten sich Länder wie Deutschland und Frankreich erfolgreich gegen diesen Trend, denn dort seien im vergangenen Monat mehr Autos als vor Jahresfrist verkauft worden. In Italien sei der Absatz konstant geblieben. "In allen genannten Ländern haben die Regierungen Verschrottungsprämien aufgelegt", erklärte der VDA. Damit gebe es wirksame Anreize zum Kauf neuer und sparsamerer Autos.

Einsamer Spitzenreiter war im März der deutsche Markt, wo die Neuzulassungen um knapp 40 Prozent stiegen. Auf Quartalssicht war Deutschland mit einem Plus von 18 Prozent sogar das einzige Land, das zulegen konnte. Weil der Ansturm auf die im Januar eingeführte Abwrackprämie von 2500 Euro groß ist, hatte die Regierung erst vor wenigen Tagen den Finanztopf dafür auf fünf Milliarden Euro aufgestockt. Nun können insgesamt rund zwei Millionen statt der ursprünglich geplanten 600 000 Autobesitzer von dem Zuschuss profitieren.

Allerdings mehrten sich zuletzt auch die kritischen Stimmen, die in der Prämie nur ein vorübergehende Stütze für die kriselnde Branche sehen. In Frankreich wurden im vergangenen Monat acht Prozent mehr Autos verkauft, wie die Verbände mitteilten. Dagegen brach der Absatz auf Märkten ohne Verschrottungsprämie weiter ein: In Großbritannien - wo die Regierung noch die Einführung eines Zuschusses nach deutschem Vorbild prüft - wurde im traditionell eher starken Monat März laut ACEA ein Minus von fast 31 Prozent verzeichnet, was den allgemeinen Vertrauensverlust der Menschen in die dortige Wirtschaft widerspiegele.

In Spanien habe der Absatzrückgang im vergangenen Monat sogar bei 39 Prozent gelegen. Noch düsterer war die Lage nur in Portugal, Griechenland und Irland, wo die Absatzzahlen um bis zu 64 Prozent einbrachen.

Generell sind es nach wie vor eher preisgünstige Kleinwagen, die Käufer anlocken. Laut ACEA stiegen im März etwa die Verkaufszahlen von Skoda, Fiat und Dacia besonders deutlich. Dagegen gab es weiter Rückgänge bei den Premiumherstellern BMW und Daimler (Mercedes).

Der Konjunktureinbruch und die davon ausgelöste Kreditklemme haben allerdings nicht nur den europäischen Pkw-Absatz im belastet. Weltweit hinterließ die Krise Spuren - wobei das Bild differenziert ausfällt. In den USA lag der Absatz laut VDA im ersten Quartal mit 2,2 Mio. Fahrzeugen um 38 Prozent unter dem Vorjahr. In Japan lagen die Verkäufe mit knapp 1 Million Pkw um 23 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Erste Lichtblicke habe es dagegen in den Schwellenländern gegeben.

"Im Zuge des synchronen Rückgangs der weltweiten Wirtschaftsleistung hielten sich die Verbraucher mit der Anschaffung eines neuen Autos zu Jahresbeginn zurück", berichtete der VDA. Er begrüßte aber zugleich, dass die von zahlreichen Regierungen aufgelegten Konjunkturprogramme der Pkw-Nachfrage wichtige Impulse verliehen hätten. Diese stützenden Effekte könnten sich in den kommenden Monaten weiter entfalten und helfen, den Abwärtstrend auf den globalen Absatzmärkten zu dämpfen.

So lag der Pkw-Absatz in China mit 1,6 Mio. Fahrzeugen um vier Prozent über Vorjahresniveau; allein im März kletterten die Verkäufe dort um zehn Prozent. In Indien wurden mit 447 200 Pkw knapp zwei Prozent mehr verkauft, in Brasilien waren es mit 642 000 Fahrzeugen vier Prozent mehr - allein im März zogen die Verkäufe dort um 18 Prozent an. In den meisten dieser Länder gab es ebenfalls Konjunkturprogramme, hauptsächlich über Steuersenkungen. In Russland dagegen lagen die Pkw-Neuzulassungen in den ersten drei Monaten 40 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Die deutschen Hersteller hätten sich in dem zu Jahresbeginn extrem schwachen Marktumfeld noch "vergleichsweise gut" behauptet. Ihre Verkäufe gingen laut VDA um 22 Prozent zurück, doch hätten sie damit ihren Marktanteil um fünf Prozentpunkte auf gut 19 Prozent gesteigert.

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