Autoindustrie
Daimler freut sich über Spargelder

Für die Autohersteller gewinnen deren Banktöchter eine immer größere Bedeutung für die Kapitalgewinnung. So übernimmt die Mercedes-Benz Bank in diesem Jahr zusätzlich rund fünf Mrd. Euro an Refinanzierung des Autogeschäfts, die Einlagen bei der Bank explodieren.

STUTTGART. Angesichts der gestiegenen Refinanzierungskosten für die Autohersteller gewinnen deren Banktöchter eine immer größere Bedeutung für die Kapitalgewinnung. So übernimmt die Mercedes-Benz Bank in diesem Jahr zusätzlich rund fünf Mrd. Euro an Refinanzierung des Autogeschäfts. Zuvor hatte die Konzernmutter dies finanziert. "Wir haben günstigere Refinanzierungskonditionen als der Konzern", sagte der Vorstandschef der Mercedes-Benz Bank, Peter Zieringer, gestern in Stuttgart.

Der wichtigste Grund dafür ist das Einlagengeschäft der Autobank. Das Volumen an Kundeneinlagen stieg schnell an. Allein in den vergangenen zwei Monaten stiegen die Einlagen um zwei Drittel auf zehn Mrd. Euro Ende Februar. Wegen des großen Kundenansturms, den das IT-System nicht mehr bewältigte, lehnt die Bank noch bis zum 25. März Neukunden im Einlagengeschäft ab. Die Bank bietet Zinsen von bis zu 4,6 Prozent. Die Daimler AG musste im Vergleich für eine jüngst begebene zwei Mrd. Euro schwere Anleihe fast 7,9 Prozent zahlen.

Direkte Kredite der Banktochter an den Mutterkonzern sind auf ein Fünftel des Eigenkapitals - und somit 190 Mio. Euro - beschränkt. Deshalb verlagert der Daimler-Konzern einen Teil seiner Refinanzierung jetzt an die Banktochter. Konkret übernimmt die Mercedes-Benz Bank in diesem Jahr die Refinanzierung von 2,5 Mrd. Euro im inländischen Leasinggeschäft. Zudem geht das Leasing- und Finanzierungsgeschäft in Großbritannien über gut 2,5 Mrd. Euro an sie.

Die gestiegenen Refinanzierungskosten lassen die Autohersteller auch auf Anleihebürgschaften des Bankenrettungsfonds Soffin schielen. Volkswagen hat über seine Finanzierungstöchter eine Garantie über insgesamt zwei Mrd. Euro bewilligt bekommen. BMW prüft einen Antrag. Die Mercedes-Bank sieht wegen der Liquidität durch die Einlagen derzeit keinen Bedarf für eine Bürgschaft, sagte Zieringer. Er beobachte aber stark, ob der Wettbewerb verzerrt werde und VW etwa durch die Garantie seine Kredite für die Autofinanzierung senkt. Deshalb halte er sich eine Hintertür offen. "Ich erwarte es aber nicht unbedingt." Die Commerzbank hatte für ihre staatsgarantierte Anleihe insgesamt rund 3,5 Prozent gezahlt. So könnte eine garantierte Anleihe sogar günstiger sein als die Refinanzierung über Kundeneinlagen - in jedem Fall aber günstiger als die Ausgabe eines normalen Firmenbonds.

Nach dem Rekordjahr 2008, in dem das Neugeschäft in der Leasing- und Kreditfinanzierung um sechs Prozent auf mehr als neun Mrd. Euro stieg und die Einlagen um 47 Prozent auf gut sechs Mrd. Euro, rechnet die Mercedes-Benz Bank mit einem schwierigeren Jahr 2009. Sie plant einen positiven Ergebnisbeitrag, genauere Angaben machte sie nicht. Im vergangenen Jahr hatte die Daimler-Finanzsparte den operativen Gewinn auf 677 Mio. Euro gesteigert. Die Mercedes-Benz Bank als Teil davon veröffentlicht ihren Gewinn nicht.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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