Autoindustrie
Daimler und BMW gehen auf Tuchfühlung

Jetzt steckt sogar die Creme der Autokonzerne in Existenzangst. Um Millionen zu sparen, wollen sogar die ärgsten Konkurrenten Daimler und BMW kooperieren. Die Krise erhöht den Druck zur Zusammenarbeit.

STUTTGART/MÜNCHEN. Strahlender Sonnenschein. Neuschnee in Balderschwang im Allgäu. Zwei Schwaben, beide Mitte 50, nutzen den schönen Februartag zum Skifahren. Im Sessellift diskutieren sie über ihr liebstes Spielzeug. "Wann kriegsch deinen neuen Dienschtwage? Nimmsch zur Abwechslung mal wieder 'nen Daimler?" fragt einer der Männer in rotem Skianzug. Sein Freund im blauen Anorak antwortet: "Bin mit Audi zufrieden. Bis März muss i me entscheide." Der Mann in Rot rät seinem Freund: "Am meischte Auto bekommsch heut beim Passat, und vom Design her sind die auch nicht mehr schlechter." "Die neue E-Klasse haut ja koinen vom Hocker. I bleib erscht mal beim A6", sagt der Mann in Blau.

Gewiss eine zufällige Szene, aber sie steht symptomatisch für die Probleme von Daimler. Vor 20 Jahren hätte es zwischen den beiden Schwaben wohl kaum eine Diskussion über die Marke gegeben, allenfalls darüber, welche Ausstattung man sich bei seinem neuen Daimler leisten kann. Vor zehn Jahren hätten die Männer wohl über BMW als Alternative sinniert. Und heute? Da ziehen sie Volkswagen in Betracht.

Die Beziehung der Deutschen zu großen, schweren, teuren Autos, sie schien lange unverwüstlich. Mit dem Crash der Finanzmärkte kommt auch sie ins Schleudern und bringt nicht nur Daimler in arge Bedrängnis. Auch der Konkurrent BMW kämpft mit denselben Problemen.

So bricht der Automarkt derzeit in einer Geschwindigkeit ein, die selbst altgedienten Automanagern die Sprache verschlägt. Tiefrot sind die Absatzzahlen auf wichtigen Märkten zu Jahresbeginn. Die Folgen: Kurzarbeit in den Daimler - und BMW-Werken, verunsicherte Kunden und verunsicherte Manager, die schon seit Wochen keine längerfristigen Prognosen mehr wagen.

Das ganze Ausmaß der Krise bei Daimler wird sich am morgigen Dienstag offenbaren, wenn Konzernchef Dieter Zetsche die Zahlen für das vierte Quartal vorlegt. Tiefrot werde das Ergebnis im laufenden Geschäft ausfallen, sagen Experten voraus.

Damit rückt ein noch vor Jahren undenkbares Szenario näher: eine Kooperation der beiden Erzfeinde BMW und Daimler. Die Krise erhöht den Druck, sich zu einer stärkeren Zusammenarbeit durchzuringen, einen großen Wurf zu wagen.

Der Anfang ist gemacht: Seit über einem Jahr verhandeln die beiden Premiumhersteller über den gemeinsamen Einkauf. Denn Autoteile wie Gurtroller, Klima-Anlagen und Motoren für Fensterheber sind für den Kunden nicht zu sehen, hier müssen sich BMW und Mercedes nicht unterscheiden.

Nach Angaben aus Konzernkreisen ließen sich dadurch mindestens 350 Mio. Euro pro Jahr sparen, wenn die Konkurrenten Mengenrabatte bei den Zulieferern einfordern. So ähnlich geht der Konkurrent Audi bereits vor: Die Ingolstädter profitieren von der Einkaufsmacht von Volkswagen.

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