Autoindustrie
Das Endspiel beginnt

Wenn kommende Woche der Autosalon in Genf seine Pforten öffnet, feiert ein Begriff Konjunktur: Downsizing. Kauft der Kunde in der Krise überhaupt ein Auto, dann ist es eine Nummer kleiner. Was früher noch die große Mittelklasselimousine war, ist heute die Kompaktklasse.

Das muss nichts Schlechtes sein, heißt es in der Autoindustrie: An einem voll ausgestatteten Golf könne man ebenso gut verdienen wie an einem Passat ohne Extras.

Makroökonomisch wird die Industrie gerade radikal geschrumpft – doch das will sie nicht wahrhaben. Um mindestens 15 Prozent wird der globale Absatz in diesem Jahr einbrechen, lauten die Prognosen unabhängiger Marktbeobachter. In den USA, dem nach wie vor größten Einzelmarkt der Welt, dürfte die Nachfrage von einst 16 Millionen Autos auf unter zehn Millionen sinken. Die Zeiten des billigen Geldes und des schnellen Kredits sind vorbei. Alle Anzeichen deuten auf eine lange, harte Rezession. Doch ausgerechnet die Hersteller reden sich die Lage schön: Sie sehen noch viel Wachstum am Horizont.

Der faktisch bankrotte Branchenriese General Motors hält es für möglich, dass auf dem US-Markt im Jahr 2014 rund 18 Millionen Autos verkauft werden. Das wäre ein historischer Rekord. Auch hierzulande haben die Optimisten die Oberhand. Volkswagen will im kommenden Jahrzehnt seinen Absatz von sechs auf neun Millionen Autos steigern. Konzerntochter Audi peilt einen Sprung von 900 000 auf 1,5 Millionen Fahrzeuge an. Und BMW will trotz Krise in den nächsten drei Jahren 350 000 Autos mehr verkaufen. Sogar Opel attestiert sich und dem Markt rosige Zukunftsaussichten.

Diese Rechnungen können nicht aufgehen. Solche Zahlen sollen intern Tempo machen und Investoren beruhigen. Realistisch sind sie nicht. Bereits in der Vergangenheit wurden die Marktpotenziale regelmäßig überschätzt und die Kapazitäten chronisch zu hoch angesetzt. Mit Milliardenabschreibungen auf nicht gedeckte Leasingwerte zahlen Daimler und BMW jetzt ihren Preis für die verfehlten Prognosen der Boomjahre ab 2005.

Je aggressiver die Verkaufsziele, desto näher rückt das Endspiel im weltweiten Automarkt. Nur mit hohen Stückzahlen lassen sich die immensen Investitionen der kommenden Jahre finanzieren. Neben spritsparenden Benzin- und Dieselmotoren gilt es, alternative Antriebe zu entwickeln, Hybrid- und Elektroautos. In Deutschland wird das Volkswagen aus eigener Kraft schaffen, für BMW und Daimler allein wird es schon eng. Mit Opel will sich der Staat einen Kandidaten für Dauersubventionen heranziehen. Das Downsizing der Autoindustrie, es hat gerade erst begonnen. Im Autoland Deutschland wird der Prozess besonders gerne aufgeschoben. Doch aufhalten lässt er sich nicht.

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