Autoindustrie
Der russische Staat greift nach Lada

Die russische Öl- und Gasindustrie hat die Regierung von Wladimir Putin bereits unter ihre Kontrolle gebracht; für die Luftfahrt liegen entsprechende Pläne in der Schublade. Und nun ist die Autoindustrie dran.

MOSKAU. Mit einem Milliarden-Programm und staatlicher Kontrolle will die russische Regierung die marode Automobilindustrie des Landes am Leben erhalten. Dazu will sich der Staat auf der heutigen außerordentlichen Hauptversammlung von Russlands größtem Autobauer, AvtoVaz, der Autos der Marke Lada herstellt, sieben der zwölf Aufsichtsratsposten sichern.

Der Chef der Regierungs-Industriebehörde, Boris Aljoschin, soll künftig die Konzernstrategie beim Lada-Hersteller übernehmen, der „zu einer nationalen Staats-Corporation werden“ soll. Zugleich will er zusammen mit dem stark bei Lada engagierten staatlichen Waffenhändler Rosoboronexport fünf Mrd. Dollar Staatsgelder für neue KFZ-Modelle und Motoren aufwenden und das Unternehmen so vor dem schleichenden Tod bewahren. Dem Autohersteller brechen die Gewinne weg, weil seit einigen Jahren der Lada-Absatz sinkt.

Indem der russische Staat die Kontrolle über Lada übernimmt, weitet er seinen Einfluss auf die Industrie weiter aus: Zuvor schon hatten die staatlich kontrollierten Konzerne Rosneft und Gazprom die wichtigste Yukos-Fördertochter sowie Sibneft übernommen. Damit hat der Staat seinen Anteil an der Ölförderung des Landes von knapp zehn Prozent auf gut ein Drittel hochgeschraubt. Zugleich sollen alle Flugzeugbauer – auch die privaten – unter dem Dach einer von der Regierung geführten Holding verschmolzen werden. Der LKW-Hersteller Kamaz wiederum wurde in einen „strategischen Konzern“ umgewandelt, der nicht privatisiert werden darf.

Nun ist der größte, kriselnde PKW-Produzent an der Reihe: Der langjährige Firmenchef Wladimir Kadannikow wurde kürzlich zum Rücktritt bewegt. Der Staat hat in wenigen Wochen die Aktienmehrheit gekauft und übernimmt nun die Kontrolle im Aufsichtsrat. Laut Aljoschins Lada-Konzept soll der Autobauer neben PKWs künftig auch Rüstungsgüter herstellen. Allerdings weist die Investmentbank UFG darauf hin, dass die neue Führung „noch nie ein Industrieunternehmen geleitet“ habe.

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