Autoindustrie: General Motors setzt Opel unter Druck

Autoindustrie
General Motors setzt Opel unter Druck

Der US-Autokonzern will zurück an die Börse. Für die verlustreiche Tochter Opel wurden daher die Vorgaben verschärft. Gewinne werden nun in 2011 erwartet – ein Jahr früher als im Sanierungsplan vorgesehen. Schafft Opel-Chef Reilly die Wende?
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FRANKFURT/NEW YORK. Über das Schicksal von Opel wird im mehr als 6 600 Kilometer entfernten Detroit entschieden. Dort sitzt der Mutterkonzern General Motors. Der ist ehrgeizig und fordernd. Seit neuestem noch fordernder und noch ehrgeiziger.

Im August reichte die von der Obama-Regierung einst verstaatlichte GM Anträge für Börsengänge in New York und Toronto ein. Experten erwarten, dass Aktien im Wert von bis zu 16 Milliarden Dollar ausgegeben werden sollen. Damit wäre der GM-Börsengang einer der größten, die es weltweit je gegeben hat. Die Autofirma will zu alter Größe zurück.

Zu den vielen Risiken, die GM im Börsenprospekt auflistet, gehört das Geschäft der Europa-Tochter Opel, die tiefrote Zahlen schreibt. Opel ist die einzige Auslandstochter, die Verluste produziert. Der Mutterkonzern meldete für das erste Halbjahr einen Nettogewinn von 1,7 Milliarden Dollar.

Dasselbe erwartet Detroit auch von den Managern in Rüsselsheim – und zwar deutlich früher, als es der noch gültige Geschäftsplan vorsieht. Opel-Chef Nick Reilly, seit Januar auf Posten und seit 30 Jahren im Konzern, kämpft mit der Zeit. Der alte Geschäftsplan sah Gewinne erst im Jahr 2012 vor. Doch der neue Konzernchef Dan Akerson wünscht sich eine schnellere Sanierung. Konzerninsider sagen: „Die Geduld in Detroit ist begrenzt.“

Reilly bestreitet das nicht. „Selbstverständlich erwartet der Mutterkonzern, dass wir Resultate vorlegen“, sagt er im Handelsblatt-Interview. Dann fügt er hinzu: „Der Sanierungsplan sieht für das kommende Jahr noch Verluste und ab 2012 wieder Gewinne vor. Aber ich habe natürlich den Ehrgeiz, besser zu sein, als der Plan es vorsieht.“ Das ist sein neues Ziel – und das seiner Chefs in Detroit. Doch wie realistisch ist die neue Ansage? Nach wie vor steckt Opel in der schwersten Krise seiner Geschichte. Im ersten Halbjahr summierte sich der Verlust in Europa auf 637 Mio. Dollar (501 Mio. Euro), die Verkaufszahlen in Europa sinken, und der Ruf der Marke ist angekratzt. Alle anderen deutschen Hersteller – Volkswagen, Audi, Mercedes und BMW – meldeten im ersten Halbjahr Supergewinne. Opel aber konnte vom Aufschwung bisher nicht spürbar profitieren.

Der Waliser auf dem Opel-Chefsessel weiß, dass der Wunsch aus Detroit, Opel schneller zu sanieren, eigentlich ein Befehl ist. Vor allem weiß er, was in den USA auf Befehlsverweigerung steht. Opel sei ein amerikanisches Unternehmen, sagt er: „Natürlich muss man sich an seinen Worten messen lassen.“

Das Drängen aus Detroit ist Folge des Drucks, den die Investoren in den vergangenen Wochen entfachten. Das Europageschäft sei beunruhigend, „eine Bremse“, sagt Mirko Mikelic, der bei Fifth Third Asset Management 18 Mrd. Dollar verwaltet. Der Autokonzern solle seine Assets besser in wachsende Märkte umleiten, fordert er: „Je schneller, desto besser.“ Matthew McCormick vom US-Vermögensverwalter Bahl & Gaynor stellt die Opel-Strategie grundsätzlich infrage: „Wie wollen sie in einem gesättigten Markt bei niedriger Nachfrage und hohen Produktionskosten in Deutschland nachhaltig Geld verdienen?“ sagte er dem Handelsblatt. Vom GM-Börsengang will er die Finger lassen. Der erfülle die Wünsche der US-Regierung, aber nicht die der Investoren: „Es ist doch nicht so, dass die Welt im Moment hungrig auf neue Autos wäre.“

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland

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