Autoindustrie
Krise zwingt Zulieferer Leoni zu Vollbremsung

Der Kabel- und Bordnetzhersteller Leoni steht nach eigener Einschätzung vor dem schwierigsten Jahr der Unternehmensgeschichte. Angesichts der tiefen Krise in der Autoindustrie hatte das MDax-Unternehmen innerhalb von fünf Monaten bereits 7 000 Stellen gestrichen. Wegen roter Zahlen im vierten Quartal hat Leoni jetzt weitere Einschnitte angekündigt. Sie werden diesmal auch deutsche Standorte treffen.

tia/HB DÜSSELDORF/NÜRNBERG. Mit einem Verlust von fast 51 Millionen Euro im Schlussquartal sank der Überschuss des Nürnberger MDax-Unternehmens im Gesamtjahr auf 5,2 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte er noch 86,2 Millionen Euro betragen. Der starke Preisverfall von Kupfer und der damit verbundene Abwertungsbedarf belasteten das Unternehmen mit 21 Millionen Euro. Besserung ist auch 2009 nicht in Sicht: Bisher sei der Umsatz um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen, berichtete Leoni am Dienstag in Nürnberg.

Als Konsequenzen hat sich das Unternehmen, das rund 70 Prozent seiner Erlöse in der Autobranche erzielt, ein rigides Sparprogramm verordnet und plant weitere Entlassungen. Nach dem Abbau von rund 3 000 Arbeitsplätzen im Schlussquartal des vergangenen Jahres und 4 000 seit Jahresanfang werde die Zahl der Beschäftigten konzernweit im Jahresverlauf weiter merklich sinken, kündigte der Nürnberger Konzern am Dienstag an. Im weiteren Jahresverlauf sollen 4 000 bis 4 500 Arbeitsplätze wegfallen, sagte Vorstandschef Klaus Probst.

Nachdem die bisherigen Einschnitte vor allem im Ausland erfolgten und Leoni an fast allen 22 deutschen Standorten Kurzarbeit fuhr, sind jetzt auch hier zu Lande Arbeitsplätze bedroht. "Wir gehen davon aus, dass von den rund 4 200 Stellen in Deutschland bis zu zehn Prozent wegfallen werden", sagte Finanzchef Dieter Belle auf der Bilanzpressekonferenz in Nürnberg. Dabei rechnet Probst auch mit bis zu 300 betriebsbedingten Kündigungen. Im Inland will Leoni keine Werke schließen, im Ausland werden dagegen Fabriken dichtgemacht, zum Beispiel in Rumänien. Weltweit beschäftigt Leoni derzeit noch 46 000 Mitarbeiter.

Für die Franken arbeiten mittlerweile rund 18 000 Menschen in Nordafrika, wo die Lohnkosten - besonders für die arbeitsintensive Fertigung von Bordnetzen - niedriger sind. Die Zahl werde steigen, sagte der Chef der Bordnetzsparte, Uwe Lamann. "Weitere 2 000 Mitarbeiter werden dorthin wandern." Im Gegensatz zu Osteuropa sei die Währungsentwicklung gegenüber dem Euro stabil.

Im Gesamtjahr rechnet das Unternehmen mit einem deutlichen Rückgang der Erlöse (Vorjahr: 2,9 Milliarden Euro) und weiteren Einbußen beim operativen Gewinn (Ebit), der 2008 auf 55,7 Millionen Euro geschrumpft war. Wie stark die Rückgänge ausfallen würden, lasse sich noch nicht sagen. Auch für 2010 sei keine Prognose möglich.

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