Autoindustrie
Kundschaft in Fernost wird interessanter

Die Schwellenländer werden für den Markt immer wichtiger. Die Autokonzerne wollen ihre Kapazitäten in China und Indien verstärkt ausbauen, weshalb mehr marktspezifische Modelle in der Planung sind.
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SindelfingenDer Autokonzern Daimler will Entwicklungsentscheidungen künftig stärker in die Schwellenländer verlagern. "Wir wissen, dass wir unsere Kapazitäten in Zukunft verstärkt im Ausland ausbauen müssen, wenn wir wie geplant wachsen wollen", sagte Daimler-Entwicklungsvorstand Thomas Weber dem Handelsblatt in Sindelfingen. Die großen Wachstumsregionen seien nun mal China, USA und Asien generell. "Diese Tatsache spielt daher auch bei der Konzeption der Fahrzeuge eine Rolle. In welcher Form, gilt es zu diskutieren: Wir werden deshalb beispielsweise unsere Entwicklungszentren in China und Indien ausbauen."

Der Stuttgarter Hersteller zieht damit neben der Produktion auch im wichtigen Kernfeld Forschung und Entwicklung Konsequenzen aus der zunehmenden Bedeutung der Schwellenländer für die deutsche Autoindustrie. So ist das Reich der Mitte bereits heute der wichtigste Absatzmarkt für die Premiumhersteller Audi und BMW - Mercedes rechnet damit, dass es ab 2015 für die Stuttgarter ebenso sein wird. Immer stärker bauen die Konzerne neue Kapazitäten und Werke in Übersee, vor allem in Asien auf. Bisher sind die zentralen Funktionen der Forschung und Entwicklung bei den deutschen Herstellern jedoch weiter im Heimatland konzentriert. Eine Aufteilung, die auch Weber nicht grundsätzlich infrage stellt. "Das F&E Kompetenzzentrum wird auch künftig hier in Deutschland liegen", betonte er.

Doch der Lockruf aus Fernost macht auch vor den Forschern nicht mehr Halt. "Länder wie China, aber auch Russland und Indien fordern von den Autoherstellern nicht nur höhere Wertschöpfungsanteile in der Produktion im eigenen Land, sondern auch bei der Entwicklung", sagte Branchenexperte Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Bergisch Gladbach.

Die Grundlagenforschung würden die deutschen Hersteller im Kern zwar in Deutschland behalten. Aber die zunehmend wichtigeren Adaptionen für die einzelnen Märkte werden künftig in den Schwellenländern selbst entwickelt, weil dort die Entwickler die spezifischen Anforderungen des Marktes besser kennen", glaubt Bratzel.

So hat BMW zuletzt ebenfalls sein chinesisches Entwicklungszentrum weiter ausgebaut. Auch der Zuliefererkonzern Bosch entwickelt Dieseleinspritzpumpen für Indien bereits im Land selbst.

Die deutschen Autokonzerne können nicht länger ignorieren, dass vor allem der Geschmack und die Nachfrage der Käufer in den Schwellenländern entscheiden werden, welcher der drei großen deutschen Premiumhersteller künftig beim Absatz die Nase vorn haben wird. Weber rechnet damit, dass Daimler angesichts der Bedürfnisse in den Schwellenländern künftig zum Teil mehr regionale Typen, Modelle und Marken entwickeln werde.

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