Autoindustrie
Machtkampf bei GM

Auch das noch: Als ob das Krisenmanagement bei GM nicht schon aufwändig genug wäre liefen sich die beiden Top-Manager des Konzerns offenbar einen veritablen Machtkampf. Branchenkenner unken, die Tage von Fritz Henderson seien gezählt.
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NEW YORK/RÜSSELSHEIM. Als ob Opel und die US-Mutter General Motors nicht schon genug Probleme hätten: Auf dem lebensbedrohlichen Schleuderkurs der Autobauer liefern sich die zwei höchsten GM-Bosse Edward Whitacre und Fritz Henderson nun auch noch einen öffentlichen Machtkampf ums Steuer des Konzerns. Die jüngste Versöhnungstour von GM-Topmanager Henderson nach Rüsselsheim und Berlin torpediert der mächtige Verwaltungsratschef Whitacre mit auffällig scharfen Worten. Auf den Rücksitzen sorgen die Regierungen in Washington und Berlin für zusätzliche Verwirrung. Für die Opelaner scheint die Reise in die Zukunft unklarer denn je.

Die Tage von Henderson als GM-Chef sind in Branchenkreisen nun gezählt. Der von US-Präsident Barack Obama eingesetzte Chef-Aufpasser Whitacre demontiert den 50-Jährigen in aller Öffentlichkeit. Weil sich Henderson in Deutschland für das jüngste Hin und Her der Amerikaner entschuldigte, feuerte der 68 Jahre alte Texaner Whitacre seine jüngste Salve ab: "Ich stimme da ganz und gar nicht mit Henderson überein" sagte er der "Kölnischen Rundschau" und dem "Münchner Merkur". Und während Henderson eine Rückkehr von GM an die Börse zum nächsten Jahr verkündet, will der neue starke Mann bei GM von dem Zeitplan nichts wissen.

Der hünenhafte "Big Ed" schoss den untersetzen "Fritz" auch im Streit um deutsche Opel-Hilfen an. Während Henderson im Bundeswirtschaftsministerium für Sanierungsspritzen zu Kreuze kroch, meinte Whitacre lapidar: Nicht nötig. Spätestens damit schlägt es "High Noon" im Duell der beiden. Für Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz ist klar: "Henderson wird von Whitacre blamiert." Die überraschende Botschaft vom Verzicht der Amerikaner auf deutsche Steuergelder überbrachte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). Im ZDF sprach er von einer "freudigen Mitteilung". Das Thema Opel sei damit für ihn "entschärft". Ansonsten hält sich der Politiker zurück: Visionen zur Zukunft von Opel sind von ihm derzeit nicht zu erwarten.

"Das Chaos könnte nicht größer sein"

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer sieht düstere Wolken über Opel auftauchen: "Die neue GM-Führung tappt im Nebel, und Whitacre schwebt völlig losgelöst vom Autogeschäft auf Wolke Sieben und überschätzt sich und die Chancen von GM maßlos. Das Chaos könnte nicht größer sein." GM habe derzeit keine einheitliche Führung, das sei hochriskant.

Henderson war erst Ende März ebenfalls von Obama an die GM-Spitze gehievt worden, der für Milliardenverluste verantwortliche Rick Wagoner musste damals gehen. Doch auch Henderson ist schon rund ein Vierteljahrhundert an Bord und gilt als einer der alten Garde. Widersacher Whitacre aber ist ein "Externer" aus der Telekombranche. "Von Autos habe ich keine Ahnung", gestand er. Vom Sanieren schon.

An diesem Montag soll Henderson nach bisherigen Plänen noch mit Finanzchef Ray Young die GM-Zahlen präsentieren. Erwartet wird erneut ein Verlust, wenn auch wohl nicht mehr ganz so hoch wie zuletzt. Danach gilt Hendersons Schicksal als offen, so wie die Frage eines möglichen Nachfolgers allerdings auch. "Er genießt das Vertrauen des Verwaltungsrates", sagt Whitacre schmallippig. Im Fußball ist das der Anfang vom Ende eines Trainers. Für Young sucht GM schon Ersatz.

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