Autoindustrie
Opel bunkert 300 Millionen aus Staatskredit

Der angeschlagene Autohersteller Opel hat im Poker um seine Zukunft einen größeren finanziellen Spielraum als bisher gedacht. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen plant der Autobauer, den zugesagten staatlichen Überbrückungskredit von 1,5 Mrd. Euro nicht voll auszuschöpfen.

FRANKFURT. Dies habe Opel-Finanzchef Marco Molinari dem Aufsichtsrat als interne Finanzplanung dargelegt, erfuhr das Handelsblatt von mehreren mit der Situation vertrauten Personen. Demnach sehen die Pläne vor, rund 1,2 Mrd. Euro der Finanzhilfe zu ziehen – etwa 300 Mio. Euro sollen als Sicherheitspolster dienen, falls sich die wirtschaftliche Situation in den kommenden Monaten noch verschlechtert. Sprecher von Opel und dem Mutterkonzern General Motors (GM) wollten die Informationen nicht kommentieren.

Der Zeitdruck für eine Einigung auf einen Investor ist damit geringer als gedacht, obwohl Opel momentan nach Angaben aus Unternehmenskreisen täglich einen Millionenbetrag verliert. Der Bund hatte Opel nach einer vorläufigen Einigung zwischen GM und dem kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna Ende Mai einen Überbrückungskredit gewährt, dessen erste Tranche von 300 Mio. Euro bereits ausgezahlt wurde.

Im Opel-Aufsichtsrat wächst allerdings die Unzufriedenheit über die laufenden Verhandlungen. Ein Vorstoß der Arbeitnehmerseite im Gremium, künftig auch das Opel-Management und Europaboss Carl-Peter Forster in die Gespräche zwischen GM und Magna einzubeziehen, scheiterte am Widerstand der GM-Vertreter in dem Gremium, wie Insider berichteten. Nach Angaben des Bochumer Betriebsrates und Opel-Aufsichtsrates Rainer Einenkel soll der Opel-Verkauf an Magna bis Mitte September unter Dach und Fach sein, ein Vorvertrag solle bereits am 15. Juli geschlossen werden.

Ende Mai hatten sich Magna und GM darauf verständigt, dass der Zulieferer mit russischen Partnern die Mehrheit an Opel übernehmen soll. Aber das Papier ist nur eine rechtlich unverbindliche Absichtserklärung – auch die übrigen Interessenten sind noch nicht aus dem Rennen, wie der Vorsitzende des Opel-Treuhand-Beirates, Fred Irwin, dem Handelsblatt vergangene Woche im Interview sagte. Irwin gab sich sicher, dass man schon bald einen Abschluss erzielen wird, doch er legt sich nicht auf Magna fest. Auch Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg betonte erneut, dass noch alles offen sei. So brachte sich erneut der italienische Autobauer Fiat ins Spiel.

In Verhandlungskreisen heißt es unverändert, dass der Zulieferer die besten Aussichten hat, den Zuschlag zu erhalten. Die Gespräche seien weit gediehen, und bisher habe sich kein unüberwindlicher Stolperstein abgezeichnet, sagten Insider. Doch auch der russische Partner, die Sberbank, will sich nicht auf einen Erfolg festlegen. „Alles könnte passieren“, sagte Sberbank-Vorstand Denis Bugrow auf der Hauptversammlung der Bank auf die Frage nach einem möglichen Scheitern des Gebots.

Demonstrativ flirtet GM derzeit mit dem Finanzinvestor RHJ und dem chinesischen Hersteller Baic. So ist aus GM-Kreisen zu hören, dass der US-Konzern auch mit ihnen Absichtserklärungen anstrebe. Dies soll Magna zu Zugeständnissen veranlassen. Zuletzt brachte GM eine Rückkaufoption ins Spiel, die Magna allerdings ebenso wie die deutsche Politik ablehnt. Teile des US-Managements würden bereits wieder von einem erstarkten GM-Konzern träumen, der sich auch Opel einverleiben könnte, sagten Insider. Aber auch im Wirtschaftsministerium glaubt man nicht, dass Magna das Geschäft bereits sicher in der Tasche hat. DiePolitik dringt allerdings darauf, noch vor der Bundestagswahl am 27. September eine Lösung zu präsentieren.

„Fakt ist, dass wir für New Opel bald eine Einigung brauchen“, sagte der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter und Opel-Aufsichtsrat Armin Schild dem Handelsblatt: „Auch, aber beileibe nicht nur, weil der Schwebezustand negative finanzielle Konsequenzen hat.“ hz

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