Autoindustrie
Weltpremiere für Nissans Elektroauto „Leaf“

Der japanische Autobauer Nissan hat sein lange erwartetes Elektroauto präsentiert. Es heiß "Leaf", ist etwa so groß wie ein Golf, hat 110 PS - und soll eine vollwertige Alternative zum Benziner sein. Kosten soll der Elektro-Flitzer in etwa so viel wie ein Benziner. Allerdings: Den Akku muss sich der Kunde dazu kaufen. Und der ist richtig teuer.

HB YOKOHAMA. Der japanische Autohersteller Nissan setzt voll aufs Elektroauto. "Das Öl wird knapper, die Umweltvorschriften werden immer strenger", sagte Firmenchef Carlos Ghosn am Sonntag in Yokohama bei Vorstellung des ersten rein elektrischen Nissan-Modells "Leaf". Ghosn zeigte sich selbstbewusst, mit dem neuen Produkte schnell Marktanteile dazuzugewinnen: "Wir sind froh, dass andere Autohersteller die falsche Entscheidung treffen und noch nicht konsequent auf den elektrischen Antrieb setzen."

Bis 2020 hält Ghosn einen Anteil reiner Elektrofahrzeuge von zehn Prozent am Weltmarkt für "sehr realistisch" und prognostiziert einen Absatz von bis zu sechs Mio. Stück pro Jahr. Nissan will spätestens bis Ende kommenden Jahres in die Massenproduktion einsteigen und gleich im ersten Jahr 50 000 Stück verkaufen. Danach soll der Absatz rasant ansteigen.

Elektroautos stoßen bei der Fahrt kein Kohlendioxid aus und schonen daher die Umwelt. Nissan-Konkurrent Mitsubishi ist bereits mit dem Elektroauto "i-Miev" am Markt vertreten, platziert es jedoch vorerst als Nischenmodell. Doch wie Nissan rechnet Mitsubishi schon in zwei Jahren mit echter Massennachfrage und will dann ebenfalls mehrere zehntausend Stück absetzen. Weltmarktführer Toyota zögert dagegen noch und verweist auf die bisher geringe Reichweite und die fehlenden Lademöglichkeiten.

Hauptproblem der Hersteller von Elektroautos ist jedoch der Preis für die Batterie. Ghosn will den Leaf daher ohne Akku verkaufen - den soll der Kunde im gleichen Zug für einen monatlichen Betrag dazumieten. Ohne den Klotz in der Kostenrechnung fällt es Ghosn dann leicht, einen "Preis wie bei einem normalen Kompaktwagen" zu versprechen.

Nissan-Spitzenmanager Noboru Tateishi nannte eine Mio. Yen (7 500 Euro) als Größenordnung für den Preis der Lithium-Ionen-Batterie bei künftiger Massenproduktion. Die Batterien wird Nissan selbst in Japan, Portugal und Großbritannien produzieren. In den USA baut Nissan derzeit mit einem billigen US-Staatskredit in Höhe von 1,6 Mrd. Dollar eine Fabrik für die örtliche Herstellung des Leaf um. Auch eine Produktion in Portugal ist geplant. Nissan ist zusammen mit Renault der weltweit viertgrößte Autohersteller. Das europäische und das japanische Unternehmen halten gegenseitig Anteile und werden beide von Ghosn geführt.

Toyota und andere Autohersteller rechnen damit, dass die Kunden das Elektroauto erst in der zweiten Hälfte des nächsten Jahrzehnts nachfragen werden. Vorerst verweist das Unternehmen auf seine wachsende Aufstellung von Hybridmodellen, die mit einem elektrischen Hilfsmotor Sprit sparen. "Es liegt in Toyotas Interesse, beim Elektroauto zu bremsen, weil sie in der Hybridtechnik vorne liegen", sagt Mobilitätsexperte Yoshihisa Murasawa von der renommierte Tokio-Universtiät. Die die elektrische Revolution "kommt aber früher, als die konservativeren Autohersteller sich träumen lassen", so der Technikprofessor.

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