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03.07.2007 
Mehrwertsteuereffekt

Autokäufer bleiben zurückhaltend

von Markus Fasse

Trotz der brummenden Konjunktur kommt der deutsche Automarkt nicht in Fahrt. Der Absatz im Inland brach im ersten Halbjahr um neun Prozent ein und blieb damit weit unter den Erwartungen der Branche. Doch der Verband bleibt zuversichtlich. Immerhin hält der Export die Branche stabil.

Trotz der zahlreichen Rabatte halten sich die Deutschen bei Autokauf zurück. Foto: dpaLupe

Trotz der zahlreichen Rabatte halten sich die Deutschen bei Autokauf zurück. Foto: dpa

HB BERLIN. Mit einem Zuwachs von zwölf Prozent bei den Ausfuhren konnten die deutschen Hersteller die Einbrüche im Inland kompensieren. Insgesamt stieg die Produktion der Branche um vier Prozent auf 5,6 Mill. Einheiten in den ersten sechs Monaten. "Damit werden wir in der Produktion das dritte Rekordjahr in Folge haben“, unterstrich der neue Präsident des Verbandes der deutschen Automobilindustrie, Matthias Wissmann. „Wir sind zuversichtlich, dass sich spätestens 2008 neben den starken Export auch der große Inlandserfolg stellen wird“, sagte Wissmann gestern in Frankfurt. Der ehemalige Verkehrsminister ist zuversichtlich, dass die Stimmung in Deutschland mit der IAA in Frankfurt wieder kippen werde. Die weltgrößte Branchenmesse im September soll der Branche neuen Schub geben.

„Wir haben von Anfang an damit gerechnet, dass es einen starken Mehrwertsteuereffekt geben wird“, sagte Wissmann mit Blick auf den Einbruch im ersten Halbjahr. Denn die Anhebung der Mehrwertsteuer hatte das eigentlich schwache Autojahr 2006 gerettet und der Branche einen erträglichen Absatz von 3,47 Mill. Autos gesichert. Wissmanns Vorgänger Bernd Gottschalk hatte stets gehofft, dass die anziehende Binnenkonjunktur das Autojahr 2007 doch noch retten könnte. Nun muss der Verband zum zweiten Mal binnen vier Monaten seine Prognose senken: Statt 3,4 Mill. Autos werden am Ende des Jahres wohl nur 3,2 Mill. in Deutschland neu zugelassen werden.

Wissmann sieht eine „Verunsicherung der Verbraucher“ als Hauptgrund der Misere. Insbesondere die Diskussion um den Klimaschutz habe die Käufer in Deutschland zusätzlich verunsichert, sagte Wissmann, dessen Vorgänger Gottschalk im Mai den Posten räumen musste, weil führende Vertreter der Branche ihre Interessen in der Klimadiskussion nicht energisch genug vertreten sahen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Klimadebatte als Kaufbremse

Das will der Verband jetzt ändern: Zur IAA würden die deutschen Hersteller ein „Feuerwerk“ neuer Modelle vorstellen, sagte Wissmann. „Kraftstoffeffiziente Fahrzeuge sind also ein Erfolgsfaktor der deutschen Hersteller im Wettbewerb“, sagte der neue Verbandschef. Der VDA forderte die Bundesregierung und die Länder auf, die seit langem diskutierte schadstoffbezogene KFZ-Steuer endlich umzusetzen.

Die Klimadebatte hält auch Christoph Stürmer vom Marktforschungsinstitut Global Insight für die wichtigste Kaufbremse im Inland. Andere Experten wie der Gelsenkirchener Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer verweisen seit längerem auf das Wirken des demographischen Faktors. Die Zahl der Privatkäufer geht in Deutschland massiv zurück, insbesondere jüngere Zielgruppen verweigern zunehmend den Neuwagenkauf.

„Die Autos werden immer älter und immer schlechter gewartet“, klagt ADAC-Präsident Peter Meyer in München. Deutschlands größter Automobilclub musste im vergangenen Jahr Fremdaufträge vergeben, um den Pannendienst in Deutschland noch gewährleisten zu können.

Was in Deutschland nicht verkauft wird, geht derzeit ins Ausland. „Das Wachstum in den übrigen Märkten hat den Einbruch in Deutschland kompensiert“, sagte BMW-Produktionsvorstand Frank-Peter Arndt jüngst dem Handelsblatt. Dennoch bauen die Münchener ihre Kapazitäten in den USA und China massiv aus. „Die Produktion muss dem Markt folgen“, sagte der BMW-Manager.

Für die Beschäftigten in Deutschland ist das noch kein Grund zur Beunruhigung: 740 000 Menschen arbeiten direkt für Deutschlands Schlüsselbranche Nummer eins, die Zahl ist im Vergleich zu 2006 konstant geblieben.

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