Autokäufer werden immer älter

Graue Haare, dritte Zähne – neuer Wagen

Jünger, hipper, sportlicher - die Autohersteller werben mit modernen Modellen vor allem um die junge Zielgruppe. Dabei werden Deutschlands Autokäufer immer älter. Die Branche muss umdenken.
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Opa an Bord: Für ältere Fahrer ist das Auto noch ein Statussymbol. Quelle: Getty Images

Opa an Bord: Für ältere Fahrer ist das Auto noch ein Statussymbol.

(Foto: Getty Images)

FrankfurtDie Zukunft des Autos ist grau. Denn Deutschlands Neuwagenkäufer werden immer älter. Nach einer Studie des Center of Automotive Research (CAR) der Uni Duisburg-Essen ist das Durchschnittsalter der deutschen Autokäufer auf den Rekordwert von 51,9 Jahren gestiegen. Bis 2015 wird jeder dritte Neuwagenkäufer älter als 60 Jahre alt sein, prognostizieren die Wissenschaftler. Trotzdem tauchen ältere Semester in der Werbung kaum auf. Warum eigentlich?

Die junge, städtische Zielgruppe hat die Lust auf das eigene Auto längst verloren. Parkplatzmangel, Stau, Versicherungsstress - die vielen Nachteile der automobilen Autonomie haben die Absatzzahlen einbrechen lassen. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes kann sich jeder dritte Deutsche unter 30 ein Leben ohne Auto vorstellen. Dagegen wächst die Nachfrage nach Carsharing, also Kurzfristmieten, bei denen pro Minute abgerechnet wird. Das eigene Auto ist dagegen für die junge Zielgruppe uncool geworden.

Die nachlassende Kauflust der jungen Autofahrer trifft die Hersteller zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Denn die Krise hat Europas Automarkt immer noch fest im Griff. Zwischen Januar und März 2013 wurden dem europäischen Branchenverband Acea zufolge knapp drei Millionen Neuwagen in der EU verkauft - 9,8 Prozent weniger als im Vorjahrszeitraum.

Bei den älteren Haushalten sieht das Bild anders aus. Dort wird das Auto immer beliebter. Vor zehn Jahren besaßen nur 67 Prozent der 65- bis 69-Jährigen ein Auto, heute sind es schon 77 Prozent. Die Alten sind für die Hersteller eine immer wichtigere Zielgruppe. Doch das Autodesign in Deutschland orientiert sich vor allem an den Jüngeren. Mercedes wagte mit der A-Klasse eine Designrevolution, um das Image als "Opa-Mobil" abzulegen. Das Durchschnittsalter der Mercedes-Käufer betrug 2012 satte 56,2 Jahre - keine Automarke hat in Deutschland eine ältere Kundschaft.

Nicht nur Mercedes will die Flotte verjüngen. Auch bei BMW sind die neuen i-Modelle, die in den kommenden Jahren das neue Zeitalter der Elektromobilität einläuten sollen, so futuristisch entworfen worden, dass sie vor allem die jüngere Zielgruppe ansprechen dürfte. Das Innenleben der neuen Automodelle richtet sich vor allem an junge Autofahrer. Die Integration von Facebook und Twitter wird mehr und mehr zum Standard in der Branche. Doch bisher können die rollenden Smartphones den Sinkflug in der Absatzstatistik nicht aufhalten.

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15 Kommentare zu "Autokäufer werden immer älter: Graue Haare, dritte Zähne – neuer Wagen"

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  • Falsche Wortwahl durch das Handelsblatt wenn man schreibt die Jungen hätten die "Lust verloren" am Autofahren.Ich bin Mir sogar Sicher das diese Zielgruppe sich sogar einen Zweitwaagen kaufen würde wenn nur das Geld vorhanden wäre.

  • Die R-Klasse (eines der am meisten unterschätzen Auto's überhaupt) wird in Deutschland leider nicht mehr angeboten, und wenn meine in 3 Jahren die 5 Jahre voll hat sehe ich bei Mercedes auch keine Alternative mehr da mich diese "Bügeleisen" auch nicht ansprechen. Evtl. noch der GL oder wenn die S-Klasse als Kombi kommt :)

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Na, wenn Daimler seine Kundschaft vergraulen will..

    Der Krug geht solange zum Brunnen bis er bricht. Auf keinen Fall kaufe ich eines dieser flachen Bügeleisen. Bleibt höchsten noch die M-Klasse (häßlich), R-Klasse (us-amerikanisch verseucht) und ein neuer GLA.

  • Wie konnte das passieren, wo doch das Marketing neben der Mathematik die einzige exakte Wissenschaft ist. Manche Autohersteller sollten darüber nachdenken mit der vielen heißen Luft aus ihren Besprechungsräumen in den Zentralen in das Fernwärmegeschäft einzusteigen.

  • richtig, in Deutschland werden noch die hohen margen über wucherpreise mitgenommen... aber interesse haben eher die ausländischen hersteller am deutschen markt

  • diese Facebook Kommentare kann man getrost vergessen.
    Autos die Geld kosten kauft "Papa u. Mama" dem Töchterlein oder Sohnemann. So funktioniert das!!

  • Sorry, aber BMW und Mercedes sind kein Benchmark

    So wie Audi, Porsche und Opel sind sie Alteisen, was zur Geschichte gehört. Iwa wird die Volkswagen AG sie auffangen und als Käufer kann man sich dann freuen, dass man wieder eine (Fassaden -). Marke hat, die Qualität zum guten Preis anbietet.

    Oder mein ihr echt, dass jemand heute sich noch einen Audi kaufen würde, wenn er nicht wüsste, dass es sich dabei um VW-qualität handelt?

  • .... außerdem gehen "junge" asiatische Autos weg wie geschnittenes Brot.....! Nur eben die völlig überteuerten, langweiligen Luxuskarossen von Daimler, BMW und VW will die Jugend nicht meehr haben. So wie man seit etwa Mitte der 1970-er Jahre die Pelzmäntel nach und nach abgeschafft hat, könnten auch die Luxuskarossen verschwinden. Wer braucht sie? Keiner! Wer hätte das Geld? Die fett versorgten Alten!

  • Ich finde das okay!

    Jahrzehntelang hat man Autofaherer gemolken, verteufelt, gemolken, verflucht, für das Klima verantwortlich gemacht, wieder gemolken, alle Alternativen geprießen - und nun jammert die Autoindustrie über Käufermangel. Toll!

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