Autokartell-Verdacht
BMW erhält Besuch von der EU-Kommission

In der BMW-Zentrale in München waren in dieser Woche die Kartellwächter der EU-Kommission vor Ort. Diese geht den Vorwürfen gegen die deutsche Autoindustrie nach. Für die Münchener ist das besonders ärgerlich.
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München, BrüsselSeit Monaten lastet auf der deutschen Autoindustrie der Kartellvorwurf. Über Jahre sollen Daimler, BMW und der VW-Konzern wichtige technische Details abgesprochen haben, möglicherweise zum Schaden von Verbrauchern und Konkurrenten. Bewiesen ist bislang nichts – aber am Freitag kam Bewegung in die Affäre.

Denn schon am frühen Morgen bestätigte Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber, dass Daimler bei den Behörden Gebrauch von einer Kronzeugenregelung gemacht habe. Das heißt: Der Stuttgarter Autokonzern kooperiert mit den Behörden, um strafmildernd aus einem möglichen Verfahren zu kommen. Auch Volkswagen soll eine ähnliche Absprache mit den Behörden gemacht haben, bestätigt ist das aber nicht. Bleibt noch BMW. Doch im Münchener „Vierzylinder“ war man bis zur Veröffentlichung der Presseberichte über die Selbstanzeigen der Kollegen Anfang August ahnungslos.

Deshalb ist BMW der „dumme Dritte“, der jetzt diese Woche Besuch der Kartellwächter bekam. Die Mitarbeiter hätten eine sogenannte Nachprüfung durchgeführt, erklärte BMW. Man unterstütze die EU-Kommission bei ihrer Arbeit. Einzelheiten nannte der Sprecher nicht. Aufgrund der laufenden Prüfung werde BMW darüber hinaus momentan nicht weiter Stellung nehmen. Ein formelles Verfahren habe die Kommission nicht eingeleitet.

Doch mit den Unterlagen aus Stuttgart und wohl auch aus Wolfsburg wissen die EU-Beamten sehr genau, wonach sie fragen und suchen müssen. Sollte es tatsächlich zu einem Verfahren und einer Geldbuße kommen, dürften Daimler und Volkswagen billig davonkommen, die Münchener träfe dann aber die volle Härte des Gesetzes. Auch deshalb hat es in den vergangenen Monaten atmosphärische Störungen zwischen den drei großen deutschen Autoherstellern gegeben, in München fühlte man sich von den Kollegen hinter das Licht gefühlt.

Denn im Kern geht es um eine Praxis, die Daimler, BMW und VW seit den 90er-Jahren pflegten. In so genannten technischen Arbeitskreisen sprachen sich die Autohersteller über einzelne Details ab, beispielsweise über die Frage, ab welchem Tempo sich Cabrio-Dächer öffnen dürfen. Es ging aber auch um die Größe von Harnstofftanks zur Abgasreinigung – im Lichte der Dieselaffäre ein heikles Thema.

Was am Ende aber als tatsächlich wettbewerbsrechtlich relevant eingestuft wird, bleibt offen. Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hat klargestellt, dass noch längst nicht ausgemacht ist, dass die Unternehmen gegen das Gesetz verstoßen haben. Von einem förmlichen Verfahren ist die Behörde noch ein gutes Stück entfernt. Im Falle des 2010 aufgedeckten Lkw-Kartells hatten die Wettbewerbshüter vier Jahre lang ermittelt, bis sie ein offizielles Verfahren eröffnet hatten.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel

Kommentare zu " Autokartell-Verdacht: BMW erhält Besuch von der EU-Kommission"

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  • Lieber Herr Santos,
    die EU ist da nicht schuld - die ermittelt vielleicht gar nicht, "besucht" BMW und liest nur Berichte - bisher. Offiziell ermittelt die EU noch nicht - und ob sie jemals ermitteln wird, steht in den Sternen.
    Den Mist verzapft DER SPIEGEL - die schreiben irgendetwas, schlecht bezahlte Mitarbeiter, die zudem keine Ahnung haben.
    "Größe von Harnstofftanks zur Abgasreinigung" der Spiegel schrieb damals man hätte sich auf 8,5 Liter geeinigt. Tatsache ist, dass die großen Automobilhersteller Deutschlands Harnstofftanks zwischen 8,5 und 23 Liter verbauen - je nach Modell. Das mit den Harnstofftanks ist also ein dummer SPIEGEL-WITZ.
    Einfach den Spiegel nicht kaufen - das hilft schon mal.


  • Hoffen wir dass BMW der EU nicht die QUITTUNG gibt und mit Personal Entlassungen handelt um der EU noch mehr Arbeitslosen zu geben !

    ................

    Dabei benötigt BMW nur weitere Fabriken in dem USA zu bauen, dem US-President TRUMP Freund zu werden und dafür in ganz Europa Werke herunter zu fahren !

    Dann sieht die EU was diese verursacht !

    Es gibt viel Wichtigeres was diese EU nachgehen sollte anstatt den Restlichen Guten Ruf der Deutsche Automobilhersteller zu ruinieren !

    Jeder solcher Handlungen bleibt in den Köpfen der Verbraucher und steuert eher bei auch in Deutschland Fremdmarken zu kaufen !

  • AUTOKARTELL-VERDACHT
    BMW erhält Besuch von der EU-Kommission
    Datum:
    20.10.2017 15:04 UhrUpdate: 20.10.2017, 15:21 Uhr
    In der Münchener BMW-Zentrale waren in dieser Woche Mitarbeiter der EU-Kommission vor Ort. Diese geht den Kartellvorwürfen gegen die deutsche Autoindustrie nach. Noch gibt es aber kein formelles Verfahren.

    ....................

    Hoffen wir dass BMW der EU nicht die QUITTUNG gibt und mit Personal Entlassungen handelt um der EU noch mehr Arbeitslosen zu geben !

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