Autokonjunktur
Toyota lahmt in Deutschland

Der Autokonzern Toyota stellt als erster großer Hersteller die von der Branche erwartete Erholung des deutschen Automarkts in diesem Jahr infrage. Zugleich verabschieden sich die Japaner von ihrer bisherigen Mittelfristplanung für Deutschland.

FRANKFURT. Zugleich verabschieden sich die Japaner von ihrer bisherigen Mittelfristplanung für Deutschland. „Ich halte inzwischen 3,1 Millionen Neuzulassungen für realistischer als 3,2 Millionen in Deutschland“, sagte Toyota-Deutschland-Chef Alain Uyttenhoven dem Handelsblatt.

Der Verband der Automobilindustrie hatte dagegen noch vor wenigen Tage seine Prognose von 3,2 Millionen PKW-Neuzulassungen in Deutschland bekräftigt nach 3,15 Millionen im Vorjahr.

Toyota kämpft angesichts der schwachen Autokonjunktur mit ungewohnten Problemen. Nach den Zahlen des Autoverbands Acea ging die Talfahrt im August weiter. Toyota zählte danach mit einem Minus von 23 Prozent zu den größten Verlierern auf dem schwachen europäischen Automarkt, der insgesamt um 15,6 Prozent nachgab.

Auch auf dem deutschen Markt zählt die erfolgsverwöhnte Marke dieses Jahr zu den großen Verlierern. Der Marktanteil der Japaner brach in den ersten acht Monaten 2008 auf 3,3 Prozent ein – im Vorjahreszeitraum waren es noch 4,3 Prozent gewesen. Daher drohen Toyota in Deutschland rote Zahlen. „Es könnte schwer werden, dieses Jahr schwarze Zahlen zu schreiben“, sagte Uyttenhoven dem Handelsblatt. Bereits im vergangenen Jahr war der Vorsteuergewinn von Toyota Deutschland von 20,8 Mill. Euro auf 1,4 Mill. Euro und der Umsatz um 19 Prozent zurückgegangen.

Bereits 2009 will Toyota mit zahlreichen neuen Modellen wieder in die Offensive gehen. Schon auf dem Pariser Autosalon Anfang Oktober stellt Toyota mit der nächsten Generation des Mittelklasseautos Avensis, dem Smart-Rivalen IQ und dem Baby-Geländewagen Urban Cruiser drei neue Modelle vor, die im kommenden Jahr auch in Deutschland starten werden. „Insgesamt werden wir 18 Neuheiten auf den Markt bringen“, kündigte Uyttenhoven an.

Für das laufende Jahr hat sich Toyota dagegen für Deutschland auf einen deutlichen Rückgang des Marktanteils eingestellt. „Es ist für uns klar, dass 2008 ein Übergangsjahr ist“, sagte Uyttenhoven. Die Neuheiten, die für Toyota wichtig seien, kämen erst im nächsten Jahr, und der deutsche Markt sei extrem schwierig. „So werden wir wahrscheinlich in diesem Jahr den aktuellen Marktanteil in etwa halten“, sagte Uyttenhoven. Toyota wird damit voraussichtlich Platz zwei unter den Importeuren in Deutschland verlieren.

Der Hersteller sieht inzwischen auch kaum mehr Chancen, das anvisierte Ziel noch zu erreichen, im Jahr 2012 etwa 200 000 Fahrzeuge in Deutschland zu verkaufen. „Das Ziel von 200 000 verkauften Autos im Jahr 2012 erscheint mir momentan unrealistisch“, sagte der Belgier, der seit April an der Spitze des Deutschland-Geschäfts von Toyota steht. Als die Prognose gemacht worden war, hätten alle Experten noch ein Volumen von 3,8 Millionen Fahrzeugen für den deutschen Markt zugrunde gelegt, erläutert er. Beim Toyota-Ziel von fünf Prozent Marktanteil in Deutschland für 2010 soll es dagegen bleiben. Ausgerechnet Toyota, das über das beste Öko-Image aller Hersteller verfügt, kann damit in Deutschland aus dem Trend zu sparsameren und kleineren Fahrzeugen auf dem Automarkt vorerst keinen Vorteil schlagen.

Die Konjunkturflaute und die schwierige Lage auf dem US-Markt torpedieren zusehends die Wachstumspläne des Autobauers. Das Unternehmen hatte bereits jüngst seine weltweite Absatzprognose für 2009 gesenkt. Der größte Autokonzern der Welt verabschiedete sich so von seinem lange gehegten Ziel, im kommenden Jahr als erste Firma der Branchengeschichte mehr als zehn Millionen Fahrzeuge zu verkaufen.

Abwärts: Die europäische Autokonjunktur hat sich im Sommer stark abgeschwächt. Im Juli seien die PKW-Verkäufe um 7,3 Prozent, im August sogar um 15,6 Prozent eingebrochen, teilte die Vereinigung der europäischen Autohersteller Acea gestern mit.

Auslöser: Als Gründe machte der Autoverband eine allgemeine Schwäche des Verbrauchervertrauens und die anhaltend hohen Spritpreise aus.

Rangliste: Volkswagen bleibt den Acea-Angaben zufolge mit einem von Januar bis August leicht auf 20 Prozent erhöhten Marktanteil Europas größter Autobauer, musste aber einen Absatzrückgang von drei Prozent hinnehmen. Mit einem leicht auf 12,8 Prozent gesunkenen Marktanteil blieb der französische Hersteller PSA Peugeot Citroën die Nummer zwei.

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