Autokonzern fährt Investitionen deutlich zurück
Volkswagen tritt auf die Kostenbremse

Nach schmerzlichen Ertragseinbrüchen in den vergangenen Quartalen fährt der Wolfsburger Autobauer Volkswagen seine Investitionen in den nächsten zwei Jahren deutlich zurück.

HB HAMBURG. Vor allem im bisherigen Boom-Markt China kürzt Europas größter Autokonzern die Ausgaben drastisch. Abstriche an der Modelloffensive sind aber weiterhin nicht geplant. Der Aufsichtsrat bestätigte am Freitag zudem die Berufung des früheren Daimler-Chrysler-Managers Wolfgang Bernhard zum Konzernvorstand. Der bisher für die Konzernstrategie zuständige Jens Neumann verlässt zum Jahresende die Konzernspitze.

Das Kontrollgremium beschloss am Freitag in Wolfsburg, die Ausgaben für den Autobereich in den Jahren 2005 und 2006 um sechs Prozent gegenüber der bisherigen Planung auf 11,8 Mrd. € zu reduzieren. Für die beiden Gemeinschaftsunternehmen in China wurden die Ausgaben für diesen Zeitraum um 22 % auf 2,1 Mrd. € gesenkt. Auch von der bisher auf fünf Jahre angelegten Investitionsplanung rückte Volkswagen ab.

Nachdem die Investitionsquote im laufenden Jahr bereits deutlich zurückgefahren worden sei, werde sie sich 2005 und 2006 nachhaltig auf unter sieben Prozent belaufen und damit auf einem wettbewerbsfähigen Niveau liegen, teilte VW weiter mit. „Hier kommen vor allem unsere Anstrengungen zur Optimierung der Einmalaufwendungen im Rahmen des Programms For-Motion zum Ausdruck“, erläuterte Finanzchef Hans Dieter Pötsch. Mit 7,7 Mrd. € entfalle der Hauptteil der Sachinvestitionen im Autobereich weiter auf die Modernisierung der Produktpalettte.

Das Kontrollgremium bestätigte zudem die Berufung des früheren DaimlerChrysler-Managers Wolfgang Bernhard. Der 44-jährige Sanierungsexperte soll im Februar zunächst als Vorstandsmitglied ohne Geschäftsbereich bei Volkswagen eintreten und spätestens Anfang 2006 die Leitung der Markengruppe Volkswagen übernehmen. Von ihm erwartet sich Vorstandschef Bernd Pischetsrieder wichtige Impulse zur Restrukturierung der defizitären Kernmarke.

Dagegen verlässt der im Vorstand bislang für die Bereiche Konzernstrategie, Recht, Treasury und Organisation zuständige Jens Neumann die Konzernspitze zum Jahresende. Sein Ressort fällt weg. Produktionsvorstand Folker Weißgerber, über dessen Ausscheiden ebenfalls spekuliert worden war, gehört dem Vorstand weiter an.

Pötsch richtete einen Appell an die Belegschaft, die Anstrengungen zur Effizienzsteigerung zu erhöhen. Die Ergebnisse des Konzerns in den ersten neun Monaten zeigten, dass die Markengruppe Volkswagen erstmals seit langem in die roten Zahlen gerutscht sei. „Die Warnleuchten blinken also unübersehbar“, schrieb Pötsch in der Mitarbeiterzeitschrift „Autogramm“. Deshalb komme es darauf an, die Umsetzungsgeschwindigkeit des Sparprogramms „For Motion“ zu steigern. VW hatte in den ersten neun Monaten Gewinneinbußen verbucht, hält aber an der Prognose fest, wonach der operative Gewinn vor Sondereinflüssen im Gesamtjahr 1,9 Mrd. € erreichen soll.

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