Autokonzern mit wachsenden Unsicherheiten
General Motors steckt im Problemsumpf fest

Am Finanzmarkt wachsen die Sorgen über das schrumpfende Liquiditätspolster von General Motors (GM). Analysten erwarten, dass sich der größte US-Autokonzern in den nächsten Jahren frisches Kapital in Milliardenhöhe beschaffen muss, wenn sich die Marktaussichten für Nordamerika nicht wesentlich bessern. Investoren des lange Zeit weltgrößten Autokonzerns sind nervös.

NEW YORK. Am Finanzmarkt wachsen die Sorgen über das schrumpfende Liquiditätspolster von General Motors (GM). Der größte US-Autokonzern müsse sich in den nächsten zwei Jahren bis zu neun Mrd. Dollar frisches Kapital beschaffen, wenn sich das Verkaufsumfeld auf dem US-Markt nicht wesentlich bessern sollte, schreibt die Investmentbank Lehman Brothers in einer Studie.

Zuvor hatte sich bereits die Deutsche Bank besorgt über den Liquiditätsabfluss gezeigt. Im Zuge der anhaltend schwachen Marktaussichten für Nordamerika werde GM wohl Schritte unternehmen, um sich zusätzliches Kapital zu beschaffen, glaubt Rod Lache, Auto-Analyst der Deutschen Bank. Investoren des lange Zeit weltgrößten Autokonzerns reagieren nervös auf die jüngsten Äußerungen. Seit Anfang Mai hat die GM-Aktie fast 15 Prozent an Wert eingebüßt.

Zwar saß der Konzern Stand Ende März 2008 noch auf Finanzreserven von knapp 24 Mrd. Dollar, doch der Kapitalabfluss ist beträchtlich: Sechs Monate zuvor hatte die verfügbare Liquidität noch bei rund 30 Mrd. Dollar gelegen. Die Firma habe derzeit ausreichend Mittel, um in die Produktentwicklung zu investieren und ein neues Abfindungsprogramm für zehntausende GM-Beschäftigte zu finanzieren, sagte Finanzvorstand Ray Young zu Wochenbeginn auf einer Bankenkonferenz in Warren, Michigan. Für den Fall, dass die Konjunkturschwäche anhalte oder sich verschärfe, schloss Young Kapitalmaßnahmen sowie Verkäufe abseits des Kerngeschäfts aber nicht mehr aus.

Im Zuge einer groß angelegten Restrukturierung hatte GM bereits vor zwei Jahren 51 Prozent seiner Finanzierungs-Tochter GMAC an die New Yorker Beteiligungsfirma Cerberus abgegeben und dafür 14 Mrd. Dollar erlöst. Inzwischen ist der Finanzdienstleister durch die Milliardenverluste seiner Hypothekentochter Residential Capital in die roten Zahlen gerutscht - und belastet GM auf diese Weise weiter: Im ersten Quartal 2008 musste der Autokonzern 1,45 Mrd. Dollar auf den Wert von GMAC abschreiben. Die Ratingagentur Moody?s warnte kürzlich davor, dass die Schwäche von GMAC auf das Autogeschäft der früheren Konzernmutter durchschlagen könnte. Der Finanzierungsarm habe stets eine entscheidende Rolle für den Autoabsatz von GM gespielt, sagte Bruce Clark von Moody?s. Die Ratingagentur Standard & Poor?s schließt einen Konkurs der Immobiliensparte Residential Capital nicht mehr aus und hat Anfang Mai mehrere Kredit-Ratings von GMAC auf Junk-Status (Ramsch) herabgestuft.

Das Beispiel GMAC zeigt, dass der Opel-Mutterkonzern derzeit nicht nur mit deutlichen Umsatzeinbußen im Heimatmarkt USA kämpft, sondern darüber hinaus an vielen weiteren Stellen Probleme hat. Die Deutsche Bank sieht insbesondere mit Blick auf den US-Autozulieferer Delphi weiteres Ungemach auf General Motors zukommen. Das Unternehmen ist der wichtigste Partner von GM und seit Monaten auf der Suche nach frischem Kapital, um sein Insolvenzverfahren abschließen zu können. Investoren fürchten, dass GM auch hier Geld nachschießen muss, um die Situation bei Delphi in den Griff zu bekommen.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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