Autokrise
Bei Karmann drohen weitere Stellenstreichungen

Bei dem angeschlagenen Autozulieferer drohen wegen der Krise in der Branche zusätzliche Stellenstreichungen. Den von Entlassungen bedrohten Mitarbeitern in Osnabrück bietet Karmann eine Transfergesellschaft an. Die von den Arbeitnehmern geforderte Abfindung lehnte das Unternehmen allerdings ab.

HB HANNOVER. Nach dem Konzernumbau, im Zuge dessen die Kernsparte Automobil-Auftragsfertigung mangels Aufträgen geschlossen wird, sollen bei Karmann nur noch 2 050 Stellen übrig bleiben, wie ein Firmensprecher am Donnerstag sagte. Davon befänden sich 1 150 am Stammsitz Osnabrück und 900 im Ausland. Bislang war das Unternehmen von insgesamt 2 800 verbleibenden Stellen in den Sparten Fahrzeugentwicklung und Dachsysteme ausgegangen.

Karmann hat allerdings noch Hoffung, dass die Metall-Gruppe gerettet werden kann. Sie stellt mit 750 Mitarbeitern Pressewerkzeuge, Module und Fertigungsstraßen her. "Es gibt derzeit Verhandlungen mit möglichen Investoren", teilte Karmann mit. Gelinge der Verkauf wider Erwarten nicht, würden auch diese Stellen wegfallen.

Das Unternehmen hat seit Herbst bereits 1 200 Stellen abgebaut und beschäftigt derzeit noch gut 3 300 Mitarbeiter. Nun sollen knapp 1 400 Mitarbeiter in eine Transfergesellschaft überführt werden. Diese soll ihnen bei der Weiterbildung und beim Wechsel zu anderen Arbeitgebern helfen. Der Sozialplan soll noch im März 2009 umgesetzt werden. Die von den Arbeitnehmern geforderte Abfindung lehnte das Unternehmen allerdings ab. "Für beides ist nicht genügend Geld da", sagte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag nach einer Betriebsversammlung.

Das Unternehmen hatte bereits im vergangenen September für dieses Jahr die Schließung des traditionellen Fahrzeugbaus angekündigt. Neue Aufträge sind bisher nicht in Sicht und wegen der weltweiten Krise in der Autobranche nach Meinung von Beobachtern auch nicht realistisch. Im Karmann-Werk im benachbarten Rheine endet die Autoproduktion nach mehr als 43 Jahren an diesem Freitag. Dort bekommen rund 650 Mitarbeiter einen Sozialplan nach altem Muster, das heißt mit Transfergesellschaft und Abfindung. Diese Vereinbarung wurde im vergangenen Sommer getroffen.

Künftig will sich Karmann auf die beiden Säulen Cabrio-Dachsysteme und Fahrzeugentwicklung stützen. Die Geschäftsführung werde die Schlichtung anrufen, wenn die Arbeitnehmerseite den Vorschlag nicht annehme, betonte Harbig. Zum vorgelegten Sozialplan gebe es keine Alternative. Um den von der Geschäftsführung vorgestellten Plan umzusetzen, muss das Unternehmen Kredite aufnehmen. Nach Vorschlag des Unternehmens soll die Transfergesellschaft eine Laufzeit von zwölf Monaten haben. Die Beschäftigten sollen in der Regel 85 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens bekommen. Damit stünden auch Mittel der EU zur Verfügung, um die Qualifizierungsarbeit der Transfergesellschaft zu intensivieren.

Der vor mehr als 100 Jahren gegründete und in den 50er Jahren durch das legendäre Automodell Ghia bekanntgewordene Hersteller hatte sich seit längerem erfolglos um Anschlussaufträge bemüht. Schon eine vorherige Streichungsrunde hatte Tausende Beschäftigte den Job gekostet. Vor zwei Jahren zählte das Unternehmen noch knapp 7 000 Beschäftigte weltweit, davon 4 200 am Stammsitz Osnabrück.

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