Autokrise
Detroit: GM, Ford und Chrysler auf „Totenmesse“

Die drei großen US-Autobauer kämpfen auf der Automesse in Detroit an allen Fronten. Mit neuen Modellen müssen GM, Ford und Chrysler beweisen, dass sie eine Zukunft haben – und gleichzeitig aufpassen, dass ihnen nicht das Geld ausgeht. Noch nie war so schwierig, die messeübliche gute Laune zu verbreiten.

HB DETROIT. Für viele Besucher fühlt sie sich an wie eine Totenmesse, die Autoshow in Detroit. Während noch vor einem Jahr eine Herde texaniascher Longhorn-Rinder von Chrysler durch die Stadt getrieben worden war, sucht man dieses Jahr solch spekatukläre Events in und vor den Hallen vergebens. Die großen Drei aus Detroit kämpfen um ihr Leben, keine Zeit für Glamour und Schnickschnack, keine Zeit fürs PS-Gewummere fetter amerikanischer V8-Motoren, in den Hallen herrscht der Blues.

Und auch wenn in Detroit trotz allem funkelnde neue Modelle im Mittelpunkt des Interesses stehen, dreht sich hiner den Kulissen der Showstände doch alles um die Frage, wie es ums marode Zahlenwerk der US-Autobauer bestellt ist. Was nützen nämlich all die schönen Studien von Hybrid- und Elektroautos, wenn noch vor der Serienreife das Geld ausgehen sollte?

Keinem der großen Drei geht es wirklich gut, wobei Ford trotz der anhaltenden Krise auf seinem Heimatmarkt derzeit keine Staatshilfe in Anspruch nehmen will. Die Strategie sehe vor, dass Ford alleine zurechtkommen wolle, sagte Chairman Bill Ford. Gegenwärtig fühle sich Ford finanziell ausreichend ausgestattet, das Unternehmen habe aber nach einer staatlichen Kreditlinie gefragt, „für den Fall, dass die Welt, wie wir sie kennen, implodiert“.

Bei GM und Chrysler ist so gesehen schon alles „implodiert“. Beide Konzerne haben bereits Kapitalspritzen bekommen und werden aller Voraussicht nach noch weitere benötigen. Die angeschlagene Opel-Mutter General Motors(GM) schließt offiziell weitere US-Staatshilfen nicht aus. Die bereits zugesagten 13,4 Mrd. Dollar stellten den Betrieb des größten US-Autobauers im ersten Quartal sicher, sagte GM-Chef Rick Wagoner. Bis dahin könne das Unternehmen prüfen, ob weitere Hilfen nötig seien. Der ebenfalls kriselnde GM-Rivale Chrysler hat von der Regierung Notkredite über vier Mrd. Dollar erhalten – und weiß bereits, dass die nicht ausreichen werden.

Chrysler fordert für sein Überleben weitere drei Mrd. Dollar. Man habe von Beginn an einen Kredit von sieben Mrd. Dollar haben wollen, sagte Chrysler-Chef Robert Nardelli. „Wir sind zuversichtlich, dass uns die weiteren drei Mrd. gewährt werden.“ Er ließ offen, um welchen Zeitraum es dabei geht. Chrysler hatte Anfang Januar vier Mrd. Dollar bekommen, die nach Vorstellungen der US-Regierung bis Ende März reichen sollen. Washington will Entscheidungen über weitere Hilfen an die Autobranche Mitte Februar und Ende März treffen.

Keine Frage, die amerikanischen Autobauer befinden sich in einer schweren Krise, die sich mit dem weltweiten Branchenabschwung im Zuge der Konjunkturflaute noch weiter verschärft hat. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Für das laufende Jahr erwartet Chrysler-Chef Nardelli auf dem US-Automarkt keine Besserung, sondern einen weiteren massiven Einbruch. Experten befürchten für 2009 gar einen Absturz auf 10,5 Millionen Stück – die Autokonzerne kalkulieren derzeit aber noch mit einem US-Automarkt von 12,5 bis 13 Millionen verkauften Wagen pro Jahr.

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