Autokrise
Deutsche Autoindustrie schäumt vor Wut

Erst drastische Absatzeinbrüche, nun wächst auch noch die Angst vor einem Subventionswettlauf - bei dem deutsche Autohersteller den Kürzeren ziehen könnten. Mit Frankreich hat nun nämlich die dritte Nation massive Subventionen für die eigene Autoindustrie angekündigt. Deutsche Unternehmen geraten immer mehr in Bedrängnis.

fas/ali/hz/str MÜNCHEN/PARIS. Am Dienstagnachmittag war es soweit. Die französische Regierung kündigte an, Renault und Peugeot mit insgesamt sechs Milliarden Euro unter die Arme greifen zu wollen. Damit ist Frankreich nach Großbritannien und den USA die dritte Nation, die ihre Autoindustrie mit massiven Subventionen unterstützen will.

In der deutschen Autoindustrie wächst die Verärgerung. "Wir sind gegen wettbewerbsverzerrende Maßnahmen in Europa und anderswo - und wir wollen keinen internationalen Subventionswettlauf", sagte der Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Automobilindustrie, Klaus Bräunig, dem Handelsblatt. "Das ist eine eindeutige Wettbewerbsverzerrung", schimpft ein deutscher Topmanager über den Schritt der Franzosen. Frankreich will mit Geld vor allem den Bau und die Entwicklung umweltfreundlicher und damit wettbewerbsfähiger Autos fördern.

Auch in Berlin stoßen die französischen Pläne auf Unverständnis. Das Kabinett denke nicht daran, den deutschen Autobauern vergleichbare Hilfe zuteil werden zu lassen, hieß es aus Kreisen der Bundesregierung. Im Übrigen seien die Konzepte, die in Frankreich diskutiert würden, durchaus angreifbar. "Die Sache muss europarechtlich sauber sein. Da liegt der Hase im Pfeffer", heißt es. Grundsätzlich hat die EU-Kommission zwar Ende vergangenen Jahres angesichts der wirtschaftlichen Krise eine großzügige Auslegung der Beihilferegelungen in Aussicht gestellt. Diese Zusage dürfe jedoch nicht als Freifahrtschein missverstanden werden, sagte ein Regierungsmitglied.

Dabei liebäugeln die Deutschen selbst mit staatlichen Hilfen jenseits der bereits beschlossenen Abwrackprämie. So sieht das zweite Konjunkturprogramm einen "Wirtschaftsfonds Deutschland" vor, der zinsgünstige Bürgschaften und Kredite über 100 Mrd. Euro enthält und auch der Autoindustrie zugute kommen soll. Das Paket soll bereits Ende Februar durch den Bundestag gehen, hieß es.

Den deutschen Autokonzernen machen kurzfristig aber vor allem die Finanztöchter Sorgen. Alleine Daimler und BMW müssen pro Jahr jeweils 25 Mrd. Euro refinanzieren. Ohne staatliche Garantien bleibt das im Moment ein teures Unterfangen. Am Montag bestätigte BMW, eine bereits im November aufgelegte Anleihe zu 8,875 Prozent Zinsen verlängern zu wollen. Zwar seien die Konditionen deutlich besser als zu Jahresbeginn, hieß es bei BMW. Dennoch liege das Unternehmen rund 390 Basispunkte über den Refinanzierungssätzen von Staatsanleihen. Banken, die unter den staatlichen Rettungsschirm geschlüpft sind, kommen deutlich billiger weg. Das weckt Begehrlichkeiten.

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