Autokrise
Dicke Luft im Daimler-Haus

Kaum vorstellbar: Beim Daimler wird demonstriert - und zwar von Tausenden. Die Beschäftigten zogen wegen der neuen Personalpolitik des Autobauers in Stuttgart auf die Straße. Und der Betriebsrat ist auf Konfrontationskurs zum Vorstand.

HB Rund 3000 Daimler-Mitarbeiter sind gegen die Personalpolitik des Autobauers in Stuttgart auf die Straße gegangen. Der Protest richtete sich gegen die Pläne des Stuttgarter Dax-Konzerns, rund 20 Prozent der Auszubildenden nicht zu übernehmen, die im Sommer ihre Lehre beenden.

Dass Daimler in der Krise die Kosten senken müsse, sei zwar verständlich, sagte Baden-Württembergs IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann bei der Kundgebung vor dem Daimler-Werk. Es sei jedoch das völlig falsche Signal, bei den Auszubildenden zu sparen. Diese seien die wertvollste Zukunftsinvestition für den Autobauer. Der Gewerkschafter forderte Daimler auf, alle Auszubildende zu übernehmen.

Damit nicht genug der Probleme für Konzernchef Dieter Zetsche. Daimler-Betriebsratschef Erich Klemm geht auf Konfrontationskurs zum Vorstand. Plänen von Zetsche, die zweite Stufe der Tariferhöhung für die Daimler- Beschäftigten wegen der Absatzkrise des Autobauers zu verschieben, erteilte der mächtige Arbeitnehmervertreter am Mittwoch eine klare Absage. „Das werden wir nicht machen, weil Daimler nicht vor der Insolvenz steht“, betonte Klemm in Stuttgart nach einer Protestkundgebung gegen die Personalpolitik des Konzerns.

Der Tarifvertrag in der Metallbranche sieht vor, dass die Firmen bei wirtschaftlichen Schwierigkeit die für Mai vorgesehene zweite Erhöhung von 2,1 Prozent um sieben Monate verschieben können. Der Betriebsrat jedes einzelnen Unternehmens muss jedoch seine Zustimmung dazu erteilen. „Dazu gibt es aber keinen zwingenden Grund“, erklärte Klemm. Daimler hatte am Dienstag einen Gewinneinbruch füre 2008 um mehr als zwei Drittel gemeldet und ein massives Sparprogramm für 2009 angekündigt.

Baden-Württembergs IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann unterstützte Klemm bei seiner Position: Würde Daimler die Gehaltserhöhung verschieben, hätte das eine fatale Signalwirkung für die gesamte Branche. Bislang hätten zwar erst wenige Firmen im Land diese Möglichkeit erörtert. Er befürchte jedoch, dass weitere Betriebe folgen werden.

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