Autokrise
„General Motors ist im freien Fall“

Erst gab der US-Autobauer mal einen Jahresverlust von mehr als 30 Milliarden Euro bekannt, dann trifft sich General Motors mit der US-Regierung. Eregbnis: Schweigen. Ob es der Task Force schlicht die Sprache verschlagen hat, ist nicht bekannt. GM indes gibt sich schon wieder ganz optimistisch.

fbr/HB WASHINGTON. Wenige Stunden nach Bekanntgabe weiterer Riesenverluste ist die Führung des US-Autoherstellers und der Opel-Mutter General Motors (GM) mit der Regierung in Washington zu einem Krisengespräch zusammengetroffen. Nach Angaben informierter Kreise bekräftigte GM-Chef Rick Wagoner bei dem sechsstündigen Treffen seine Forderung nach weiteren Staatshilfen in Höhe von 16 Milliarden Dollar (12,6 Milliarden Euro).

Der angeschlagene US-Autobauer General Motors hat sich nach einem Treffen mit der Task-Force der US-Regierung für die Reform der Autokonzerne verhalten optimistisch gezeigt. „Es gab bei der Task-Force die aufrichtige Bereitschaft, unser Geschäft, die Schwierigkeiten der Branche und den Restrukturierungsplan von GM zu verstehen“, erklärte der Konzern nach dem Treffen am Donnerstag. Jedoch liege noch ein gutes Stück Arbeit vor den Verhandlungspartnern.

So optimistisch ist Christoph Stürmer, Autoexperte des Beratungshauses IHS Global Insight, nicht: "General Motors ist im freien Fall", sagt er zu Handelsblatt.com. Die Lage sei Ernst wie nie. "Nur noch die Regierung hat die Möglichkeiten, GM die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen." In der gegenwärtigen Lage sei dazu kein Unternehmen und keine Bank in der Lage. "Entweder gibt es eine staatliche Lösung, oder der Zerfall von GM ist besiegelt."

Es war das erste Treffen von General Motors mit der sogenannten Auto-Task-Force der Regierung von Präsident Barack Obama. Weitere Einzelheiten der als vertraulich eingestuften Gespräche wurden nicht bekannt.

Die Regierung hat Reformen bei GM und Chrysler zur Voraussetzung für weitere Hilfen gemacht, die die angeschlagenen Konzerne dringend benötigen. Die Arbeitsgruppe wurde von US-Präsident Barack Obama Mitte Februar eingerichtet. Im Rahmen des Sparprogramms und wegen schleppender Nachfrage hat GM die Streichung von rund 1600 Stellen in Brasilien angekündigt. Die betroffenen Arbeiter in dem Werk in Sao Caetano do Sul hatten laut Unternehmensangaben Zeitverträge. 900 weitere Mitarbeiter habe man für 30 Tage in bezahlten Urlaub geschickt.

Vor dem Treffen mit der US-Regierung hatte der Konzern für 2008 einen schwindelerregenden Verlust von 30,9 Milliarden Dollar (24,3 Milliarden Euro) bekanntgegeben. Es handelt sich um den zweithöchsten Verlust in der 100-jährigen Firmengeschichte. Auch das Geschäft in Europa mit der Hauptmarke Opel rutschte tiefer in die roten Zahlen. Der operative Verlust verfünffachte sich auf 2,9 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro).

Um weitere Staatshilfen zu bekommen, muss GM der Regierung in Washington bis Ende März ein Konzept vorlegen. GM-Chef Wagoner wehrt sich strikt gegen die Möglichkeit, Insolvenz anzumelden und auf dieser Grundlage eine Sanierung zu erreichen. Bereits kürzlich präsentierte er einen Plan, der den Abbau von weltweit 47.000 Arbeitnehmern vorsieht.

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