Autokrise
GM bekommt weitere vier Milliarden

Heute geht es für die Chefs der angeschlagenen US-Autobauer General Motors und Chrysler vor dem Kongress um alles oder nichts: Sie müssen einen überzeugenden Sanierungsplan vorlegen, um unter dem Schutz des Staates zu bleiben. Mittlerweile hat sich sogar Ex-Präsident Bill Clinton zu Wort gemeldet.

WASHINGTON. Für GM-Chef Rick Wagoner beginnt der wichtige Tag mit einer guten Nachricht: Sein Konzern erhält im Februar wie geplant weitere vier Mrd. Dollar an Staatshilfen. Das Geld werde noch am heutigen Dienstag zur Verfügung gestellt, sagte ein Vertreter des Präsidialamtes. Die frühere US-Regierung unter George W. Bush hatte noch Ende letzten Jahres für die kriselnden Autobauer 17,4 Mrd. Dollar aus dem Bankenrettungstopf lockergemacht.

Der Opel-Mutterkonzern hatte für Dezember und Januar 9,4 Mrd. Dollar erhalten, weitere vier Mrd. stehen nun an. Konkurrent Chrysler hat zunächst vier Mrd. Dollar erhalten und um weitere drei Mrd. Dollar gebeten.

Am Spätnachmittag US-Ostküstenzeit müssen die Chefs von GM und Chrysler dem US-Kongress ein Sanierungskonzept vorlegen und Rechenschaft über die bislang erhaltenen staatlichen Milliardenkredite ablegen. Sollte das Konzept nicht überzeugen, droht die Rückzahlung. Die Folge wäre wohl eine Insolvenz und der Verlust zehntausender Arbeitsplätze.

GMs gut hundertseitiger Plan sieht harte Einschnitte vor. Darin wird offenbar die Schließung von bis zu vier europäischen Werken erwogen, darunter der Opel-Standort Bochum. Das berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Für Wagoner scheinen die Chancen auf einen guten Ausgang in Washington zu steigen, denn es gibt offenbar Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen der GM-Führung und der Autogewerkschaft UAW. Dies berichteten Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Eine Einigung ist von großer Wichtigkeit: Eine der Hauptforderungen der Parlamentarier ist, dass der Konzern die UAW zu Konzessionen bewegt, denn GM schuldet den Arbeitnehmervertretern rund 20 Mrd. Dollar für die Krankenversicherung pensionierter Mitarbeiter. Auch bei den Gesprächen zwischen der UAW und Chrysler gebe es Fortschritte, hieß es.

Unterdessen hat sich Bill Clinton zu Wort gemeldet. Die Regierung solle der heimischen Autoindustrie helfen, sagte der Ex-Präsident auf einer Konferenz in Kalifornien. Im Gegenzug müssten die Hersteller aber verpflichtet werden, effizientere Autos zu entwickeln. Dies ist auch eine der Forderungen des US-Kongresses vom Dezember.

Die hoch verschuldeten Konzerne GM und Chrylser leiden unter einer dramatischen Absatzkrise. Allein im Januar, dem schlimmsten Monat seit 1981, waren die US-Verkäufe um 37 Prozent eingebrochen. Kritiker werfen den Autobauern aus Detroit unter anderem vor, zu lange auf die selben Sprit fressenden Modelle gesetzt und die Wünsche der Verbraucher nach sparsameren Autos ignoriert zu haben.

„Haben sie Fehler gemacht? Darauf können Sie wetten“, sagte Clinton mit Blick auf die Autobauer. „Hat die Gewerkschaft Fehler gemacht? Natürlich.“ Doch habe sich die Welt eben verändert, und auch das politische System habe stets am Status Quo festgehalten. „Ich war ein Teil dessen, wir alle waren es“, sagte Clinton

Nils Rüdel
Nils Rüdel
Handelsblatt / Deskchef Politik
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