Autokrise
GM beschneidet Mitarbeiterrechte

Der finanziell schwer angeschlagene US-Autohersteller General Motors will offenbar Arbeitnehmerrechte kürzen und Gläubiger zur Reduzierung ihrer Forderungen bewegen, um die Chancen auf ein Rettungspaket für die Autoindustrie zu erhöhen. Zur Diskussion stehen noch andere Sofortmaßnahmen, die wieder die Angestellten treffen könnten.

NEW YORK. Wie die die Finanznachrichtenagentur Bloomerg unter Berufung auf Insider berichtet, erwägt Amerikas größter Autobauer auch, eine Zahlung in Höhe von sieben Mrd. Dollar an einen Gesundheitsfonds für pensionierte Arbeitnehmer zu verschieben und Marken aufzugeben. GM-Chef Rick Wagoner sowie die Vorstände der ebenfalls notleidenden Konkurrenten Chrysler und Ford müssen bis zum 2. Dezember darlegen, wie sie durch die Krise kommen und die geforderten Staatshilfen in Höhe von 25 Mrd. Dollar verwenden wollen. Bei einer Anhörung vergangene Woche im US-Kongress waren die Chefs der so genannten „Big Three“ abgeblitzt. „Solange sie uns keinen Plan vorlegen, können wir kein Geld flüssig machen“, hatte die demokratische Mehrheitsführerin im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, ihre Ablehnung begründet.

Nun will Wagoner offenbar weiter bei seinen Angestellten sparen, deren von der Gewerkschaft UAW ausgehandelten Tarifverträge in der Krise von vielen als üppig kritisiert werden. Neben der geplanten Milliardenzahlung für den Gesundheitsfonds steht laut Bloomberg auch die so genannte Jobs-Bank zur Disposition, die Mitarbeiter weiterbezahlt, auch wenn sie entlassen wurden. Mit Widerstand der Gewerkschaften dürfte Wagoner kaum rechnen: UAW-Chef Ron Gettelfinger hat bereits Verhandlungsbereitschaft erklärt.

Neben Kürzungen bei den Arbeitnehmern will GM offenbar auch seine Markenpalette überprüfen, nachdem bereits die Marke „Hummer“ zum Verkauf steht. Außerdem soll geprüft werden, wie sich der Vertrieb über die 6 468 Händler im ganzen Land optimieren lässt. Auch der Plan, die GM-Autofinanzierungs-Tochter GMAC in eine normale Bank umzuwandeln, um vom 700 Mrd. Dollar schweren Bankenrettungsprogramm Tarp zu profitieren, werde vorangetrieben, berichteten Insider. In jedem Fall werde GM die Forderung des Senats akzeptieren, dass der Konzern stets zuerst seine Schulden beim Staat bedienen werde.

Unterdessen planen die „Big Three“ offenbar einen neuen Ansatz, um den Senat von einem Hilfsprogramm zu überzeugen. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, soll Washington demnach durch leichtere Finanzierungen die Neuwagen-Verkäufe ankurbeln. „Kein Autohersteller kann bei der aktuellen Nachfrage-Situation Geld verdienen“, sagte ein Automanager dem Blatt. Deshalb müsse die Regierung Kredite fließen lassen, damit die Branche wieder auf eine Verkaufsmenge von „mindestens 14 bis 15 Mio. Autos“ pro Jahr komme.

Diese Zahl sei mindestens notwendig, um wieder Gewinne machen zu können. Die neu gewonnene Profitabilität wiederum würde dafür sorgen, dass sich das Rettungspaket für den Staat auszahle. Im Oktober lag die prognostizierte Verkaufsmenge für 2008 bei elf Mio. Autos. Laut „Wall Street Journal“ plant der New Yorker Senator Charles Schumer, die US-Notenbank dazu zu bewegen, den Autobanken Geld zu leihen – damit diese wiederum mehr Autokredite anbieten können.

Nils Rüdel
Nils Rüdel
Handelsblatt / Deskchef Politik
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