Autokrise
GM bleiben nur noch wenige Wochen

Es ist ein erbittertes Rennen gegen die Zeit geworden. Bis zum Jahresende nämlich geht dem US-Autobauer General Motors das Geld aus. Und das rettende 14 Mrd. Dollar Kreditpaket hat zwar das Repräsentantenhaus passiert, könnte aber im Senat gestoppt werden. Dort sind viele Republikaner dagegen. Und dieser Rettungsanlauf ist für dieses Jahr die letzte Chance.

fbr/hz FRANKFURT. Am Ende musste sogar US-Vizepräsident Dick Cheney die Waffen strecken. Hinter verschlossenen Türen hatte er versucht, die Senatoren seiner eigenen republianischen Partei auf Linie zu bringen, sie dazu zu bewegen, für das Rettungspaket zur Stützung der angeschlagenen US-Autobauer zu stimmen. Vorerst vergebens. "Nicht so schnell", sagte Senator John Cornyn aus Texas nur in die Kameras, als er von Journalisten um einen Kommentar nach dem Krisentreffen auf dem Capitol Hill in Washington gefragt wurde. Nicht so schnell könnte am Ende für General Motors, Ford und Chrysler so viel bedeuten wie: Nichts geht mehr. Denn lange können die drei Konzerne wohl nicht mehr auf die Kreditspritze warten.

Wie GM heute mitgeteilt hat, ist spätestens Ende des Monats der letzte Dollar aus der Konzernkasse verschwunden. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg meldet, haben einige Lieferanten auf die leere Kassenlage beim Opel-Mutterkonzern bereits reagiert. Aus gut informierten Kreisen ist demnach zu hören, dass mancher GM-Partner nur noch gegen Vorkasse liefern wollte - was General Motors aber zurückgewiesen haben soll. Ein GM-Sprecher sagte nur, dass der Konzern Wert darauf lege, umgehend seine Rechnungen zu begleichen. Wie GM hat auch Chrysler erklärt, dass noch vor Jahresende Hilfszahlungen in Milliardenhöhe nötig seien. Ford will lediglich eine Kreditlinie von neun Mrd. Dollar, um sich gegen eine weitere Verschlechterung der Konjunktur abzusichern.

Sollte das Geld nicht kommen, dann, so etwa John Dingell, demokratisches Mitglied des Repräsentantenhauses, "stürzen wir in die größte Katastrophe, die wir seit der Großen Depression gesehen haben". Dieses Horrorszenario vor Augen stimmte das Repräsentantenhaus für das Rettungspaket - allerdings erst, nachdem fünf Tage lang erbittert um jede Einzelheit des Hilfspakets gerungen worden war. Nun muss aber noch der Senat zustimmen. Und derzeit sieht es nicht unbedingt danach aus, als ob die Hoffnung vieler Demokraten aufgehen könnte, dass das Paket heute den Segen des Senats bekommt und bereits am Ende dieser Woche umgesetzt wird. 60 Stimmen brauchen die Demokraten im Senat mindestens, 50 haben sie nur. Ohne Republikaner geht es also nicht.

Und bei manchem konservativen Senatoren wird kein Bitten oder Betteln helfen. Richard Shelby etwa, in amerikanischen Medien bereits als Detroits Nemesis tituliert, lehnt das gesamte Paket, letztlich den gesamten Rettungsplan ab. "Ich bin deswegen gegen dieses Paket", sagte Shelby der New York Times, "weil nach diesen Milliarden-Zahlungen weitere Milliarden folgen werden." Sein vernichtendes Urteil über GM, Ford und Chrysler: "Das sind gescheiterte oder scheiternde Unternehmen."

Das Paket finde bei seinen Parteikollegen nicht die notwendige Unterstützung im Kongress, um verabschiedet werden zu können, bringt der republikanische Senator George Voinovich, der selbst ein Befürworter des Rettungsprogramms ist, die gegenwärtige Stimmung bei den Republikanern auf den Punkt. Sein Parteikollege Bob Corker bestätigt, dass das Paket in der Partei auf sehr wenig Zustimmung stoße. „Die Leute merken, dass die Vorlage unglaublich schwach ist und das Produkt einer Regierung, die das Problem aufschieben und jemand anderem überlassen will“, sagt er. Und der republikanische Minderheitsführer im Repräsentantenhaus, John Boehner, meint, das Rettungsprogramm fordere „die Steuerzahler auf, weiter ein Geschäftsmodell zu subventionieren, das den Bedürfnissen der amerikanischen Arbeiter und Verbraucher nicht gerecht wird“.

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