Autokrise
GM-Rettung stößt auf viel Widerstand

Die Rettung für den vom finanziellen Kollaps bedrohten Autoriesen General Motors (GM) hängt am seidenen Faden. Zwar hat sich der designierte US-Präsident Barack Obama für staatliche Beihilfen ausgesprochen. Aber der politische Gegenwind ist enorm, nicht nur von Seiten der Republikaner.

NEW YORK. Auch in den Reihen der Demokraten gibt es Zweifel, ob es Sinn macht, Steuergeld in eine seit Jahren Milliarden verschlingende Industrie zu investieren. Die Republikaner können die von führenden Demokraten geforderten Gesetzesänderungen in den nächsten Tagen im US-Senat blockieren. Sollte GM in seiner jetzigen Form gestützt werden, würden die Leiden der US-Autoindustrie nur verlängert und aus Sicht des Steuerzahlers verteuert, sagte Jon Kyl aus Arizona, einer der ranghöchsten Republikaner im Senat. „Ihnen einfach 25 Mrd. Dollar zu geben ändert gar nichts.“

Die US-Autobauer seien nicht innovativ, nicht gut geführt und stellten nicht die richtigen Produkte her, betonte Richard Shelby, ein Senator aus Alabama: „Sie sind in gewissem Sinne Dinosaurier.“ Insbesondere in den Südstaaten der USA werden die Rettungsbemühungen aus Washington scharf kritisiert, weil dort japanische und deutsche Wettbewerber wie Toyota und Honda, Mercedes und BMW, ihre US-Fabriken haben. Sie produzieren deutlich günstiger, weil ihre Belegschaften nicht über die Auto-Gewerkschaft UAW organisiert sind. Analysten erwarten, dass die Hersteller aus Japan und Deutschland von einer Pleitewelle im Automekka Detroit perspektivisch profitieren würden.

Vertreter der US-Industrie sowie Gewerkschaften machen unterdessen seit Tagen auf allen Kanälen deutlich, welch verheerende Wirkung ein Konkursantrag von GM auslösen würde. UAW-Chef Ron Gettelfinger warnt vor einem Dominoeffekt und sieht für den Fall einer GM-Insolvenz auch die Rivalen Ford und Chrysler sowie Dutzende Zulieferfirmen unter den Gläubigerschutz des US-Konkursrechts flüchten. In diesem Umfeld wäre ein Kollaps der US-Autoindustrie ein „Desaster“, betont auch Obama.

Der US-Präsident in spe kann jedoch bisher keinen Plan vorweisen, wie der massive Geldabfluss beim größten US-Autokonzern gestoppt werden könnte. GM sitzt auf einem gut 50 Mrd. Dollar schweren Schuldenberg und verbrennt derzeit nahezu zwei Mrd. Dollar pro Monat – Tendenz steigend. Auf der verzweifelten Suche nach frischem Kapital verkaufte der Konzern heute (Montag) den letzten Rest seiner Beteiligung am Autobauer Suzuki. GM erhält umgerechnet 232 Mill. Dollar aus Japan – und damit nur einen Tropfen auf den heißen Stein. Bis Jahresende drohe GM unter seine Mindestliquidität zu rutschen, hat Konzernchef Rick Wagoner bereits gewarnt. Die Absatzzahlen sind im freien Fall, während die Sozial- und Personalkosten für mehr als eine Million Beschäftigte, Pensionäre und Angehörige schier ins Endlose wuchern.

Die meisten Branchenexperten halten einen Konkurs früher oder später für unausweichlich - und für folgerichtig: Es sei an der Zeit, die immensen Verluste zu begrenzen und „das knappe Gesellschaftskapital in Industrien mit mehr Zukunftspotenzial fließen zu lassen", rät Professor David Yermack von der Stern School of Business in New York.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%