Autokrise
Honda: Der Tank leckt

Die Autokrise hat die japanischen Autokonzerne fest im Griff. Bittere Folge: Honda hat die dritte Gewinnwarnung in fünf Monaten ausgegeben und das Jahresziel für den operativen Gewinn um 62 Prozent nach unten korrigiert. Erstmals seit elf Jahren drohen Verluste. Und Honda ist mit schlechten Nachrichten nicht allein. Nissan kündigte an, die Fahrzeugproduktion zu drosseln.

HB TOKIO. Es sind schockierende Zahlen von einem Unternehmen, von dem Experten solch schlechte Nachrichten kaum erwartet hätten. Honda, Japans zweitgrößter Autohersteller und sonst bekannt für glänzende Absatzzahlen aus den USA, hat das Jahresziel für den operativen Gewinn um 62 Prozent auf 180 Milliarden Yen gesenkt. Das ist weniger als ein Drittel der 600 Milliarden Yen aus dem Vorjahr. Folge: Die dritte Gewinnwarung in gerade einmal fünf Monaten.

Und: "Jeden Tag werden die Probleme, vor die wir gestellt werden, schlimmer und schlimmer. Und es gibt keine Anzeichen dafür, dass es besser wird", sagte Honda-Präsident Takeo Fukui auf einer Jahrespressekonferenz, die hastig zwei Tage vorverlegt worden war. Fukui kündigte an, mit umweltfreundlichen Technologien, speziell Hybrid-Fahrzeugen und kleinen Autos, Japans Auto-Ikone aus der Krise führen zu wollen. Wobei Honda im Unterschied zu den taumelnden US-Autobauern zumindest Hybrid-Autos bereits im Angebot hat. Deswegen hatte Honda lange darauf gehofft, wegen seiner spritsparenden Modelle vergleichsweise glimpflich durch die Branchenkrise zu kommen. Und: Anfang des kommenden Jahres zur Motorshow in Detroit will Honda den von Fachleuten auch als Volks-Hybrid bezeichnezen Wagen "Insight" vorstellen, der in Europa zum Kampfpreis von rund 18000 Euro verkauft werden soll.

Dennoch: Der Wind hat sich für Honda gedreht. Zudem basierte die Prognose damals auf einem Dollar-Kurs von 100 Yen, während er derzeit mit 89 Yen erheblichschlechter für Honda steht. Jeder Yen, den der Dollar weniger wert ist, kostet Honda beim operativen Gewinn 20 Milliarden Yen. Ende Oktober hatte Honda die Prognose bereits auf 550 Milliarden Yen herunter geschraubt. Jüngst hatte Honda zudem angekündigt, in dieser Zeit starker Kaufzurückhaltung die Lagerbestände zu verringern.

Daher wollen die Japaner in diesem Jahr 200 000 Fahrzeuge weniger als bisher geplant bauen. Präsident Fukui verfügte außerdem mit Beginn des kommenden Jahres eine Lohnsenkung von zehn Prozent für den Vorstand des Unternehmen. Auch die Motorrad-Sparte von Honda leidet unter dem Absatzeinbruch.

Damit nicht genug. Das seit vielen Jahren im Motorsport engagierte Unternehmen zog sich vollständig aus dem Formel-1-Renngeschäft zurück. Er reagiere damit auf die schwierigen Geschäftsbedingungen, hatte Fukui den radikalen Schritt begründet. Der Konzern habe auch keine Pläne, weiterhin andere Rennställe mit Motoren zu versorgen. Eine Rückkehr in den Sport könne einige Zeit dauern. "Honda muss sein Kerngeschäft und sein langfristiges Bestehen sichern", so Fukui weiter. Das Engagement in der Rennklasse kostet den Hersteller nach Schätzungen jährlich etwa eine halbe Milliarde Dollar.

Schlechte Nachrichten gibt es auch vom japanischen Automobilhersteller Nissan. Das Unternehmen wird seine inländische Fahrzeugproduktion weiter drosseln. Wegen der schwächeren als erwarteten Nachfrage sollen ab Januar 2009 weitere 78 000 Fahrzeuge weniger hergestellt werden, teilte das Unternehmen mit Sitz in Yokohama mit. Erst im Dezember hatte Nissan eine Produktionskürzung von 72 000 Einheiten angekündigt.

Im November hatte Nissaneinen Absatzrückgang von 29,5 Prozent verbucht. Die Aktien des Unternehmens gaben am Mittwoch in Tokio um mehr als fünf Prozent nach.

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