Autokrise
Opel – ein Autobauer entzweit die Republik

Kurz bevor die Opel-Beschäftigten europaweit für ihre Jobs auf die Straße gehen, macht der Autobauer mit guten und schlechten Nachrichten auf sich aufmerksam. Noch vor dem Auftritt von SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier bei den Opelanern ringen die Länderfürsten um eine Lösung - und die Bundesbürger um eine einheitliche Meinung. Und die EU mischt sich ein.

HB RÜSSELSHEIM. Es ist eine wichtige Woche für Opel. Am Donnerstag wollen die Opelaner europaweit für eine eigenständige Zukunft des Autobauers demonstrieren und so Druck auf die Politik ausüben. Und am Freitag folgt dann die entscheidende Aufsichtsratsitzung, auf der ein Rettungskonzept vorgestellt werden soll - das Opel letztlich die Unterstützung des Staates sichern soll, sei es in der Form von Bürgschaften, Krediten oder einer direkten Beteiligung.

Die Deutschen sind in der Frage einer Beteiligung des Staates am Autobauer Opel bislang gespalten. Rund die Hälfte der Bürger seien für einen Einstieg des Staates bei dem Traditionsunternehmen, 40 Prozent allerdings dagegen, ermittelte das Forsa-Institut in einer am Umfrage für den „Stern“ und den Sender RTL.

Die EU-Kommission warnt indes schon einmal vor einem massiven Arbeitsplatzabbau, sollte der Mutterkonzern General Motors untergehen. „Insgesamt reden wir hier über die Zukunft von mindestens 400.000 qualifizierten Arbeitsplätzen in der Europäischen Union, allein im Bereich der Hersteller und der Zulieferer“, sagte EU-Kommissar Günter Verheugen in Brüssel.

Vielleicht ist es deshalb nicht unbedingt ein Zufall, dass Opel mal direkt, mal indirekt just an ein und dem selben Tag mit positiven wie negativen Nachrichten wieder ins Rampenlicht rückt. So warnen die Händler der GM-Tocher vor dem Verlust Tausender Stellen in Opel-Filialen, sollte bei Opel das Licht ausgehen. In den deutschen Filialen gehe es um 40 000 Menschen, darunter bis zu 6000 Auszubildende, sagte Albert Still, Vizepräsident des europäischen Opel-Händlerverbandes, der Nachrichtenagentur Reuters.

Während damit wieder das Schicksal von Tausenden von Menschen in den Vordergrund der Debatte rücken dürfte, präsentiert sich Opel selbst als erfolgreicher Autobauer. Die Abwrackprämie kurbele den Verkauf des von Opel in Eisenach montierten Corsa an, ist aus der Zentrale in Rüsselsheim zu hören. Die täglichen Auftragseingänge für den Kleinwagen seien derzeit dreimal höher als vor Einführung der Verschrottungsprämie Mitte Januar, teilte der Autobauer mit. Aufgrund der hohen Nachfrage arbeite das Thüringer Corsa-Werk mit 1700 Beschäftigten im März wieder voll im Dreischichtbetrieb. Zusätzlich fahre Opel in Eisenach vier Sonderschichten. Auch das Werk im spanischen Zaragoza, wo unter anderem auch der Corsa gebaut wird, arbeite rund um die Uhr.

Wie Opels Zukunft aussehen könnte

Die Opel-Beschäftigten wollen ihrerseits am Donnerstag europaweit die Stimmung zu Gunsten des Autobauers und dem Erhalt ihrer Arbeitsplätze kippen. Die Belegschaften der europäischen Standorte des wollen „ein Zeichen setzen für ihre Zukunft in einem eigenständigen Unternehmen Opel/Vauxhall und eine tragfähige separate Lösung für Saab“, wie der Gesamtbetriebsrat in Rüsselsheim mitteilte. Als Redner bei der zentralen Kundgebung am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim werden unter anderen Vizekanzler Frank- Walter Steinmeier (SPD) und IG-Metall-Chef Bertold Huber erwartet. Ob sich Steinmeier auf der Kundgebung vor den Opelaner für Bürgschaften oder Kredite ausspricht, wird man sehen.

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