Autokrise
Opel läuft die Zeit davon

Die Zeit läuft: Der Autohersteller Opel appelliert eindringlich an die Politik, das Unternehmen bald mit einer Bürgschaft zu stützen. Von Gewerkschaft und Betriebsrat bekommt das Unternehmen Rückendeckung. Beide sehen nämlich das Aus für den Produktionsstandort Bochum kommen, wenn der Bund nicht parat steht.

HB BERLIN. Der Autohersteller Opel hat eindringlich an die Politik appelliert, das Unternehmen mit einer Bürgschaft zu stützen. Sonst könne der Konzern möglicherweise keine Kredite für Neuentwicklungen bekommen, sagte Aufsichtsratschef Carl-Peter Forster am Mittwoch in Berlin. Das gelte zum Beispiel für ein derzeit diskutiertes Darlehenspaket der Europäischen Investitionsbank. „Darauf hätten wir unter Umständen sonst keinen Zugriff.“

Unterstützung bekommt Forster dabei von der IG Metall und dem Bochumer Opel-Betriebsrat. Beide dringen ebenfalls auf Staatsbürgschaften für die General Motors-Tochter Opel. Allein das Bochumer Werk benötige für seine neuen Modellreihen 420 Millionen Euro an Investitionen, heißt es in einem gemeinsamen Positionspapier, das am Donnerstag verbreitet werden sollte. Ohne Zukunftsinvestitionen sei das Aus für Bochum vorprogrammiert. In diesem Fall seien 6.000 Arbeitsplätze in Bochum und bis zu 25.000 Jobs in der nordrhein- westfälischen Zulieferindustrie akut gefährdet.

NRW-IG-Metall-Chef Oliver Burkhard sagte der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“: „Das Land NRW ist jetzt in der Verantwortung. Wir brauchen schnelles, entschlossenes Handeln, damit die 420 Millionen Euro Zukunftsinvestitionen schnell in trockene Tücher kommen.“ Wenn der bedrohte Mutterkonzern General Motors (GM) die zugesagten Investitionen nicht mehr leisten könne, müsse Opel Kredite aufnehmen, für die dringend Staatsbürgschaften benötigt würden.

Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hatte eine Bürgschaft in Aussicht gestellt. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte im Bundestag, der Staat werde Opel keine Subventionen geben, aber dem Unternehmen helfen, wenn es wegen der Krise des US-Mutterkonzerns General Motors in Finanzierungsschwierigkeiten komme. Auch Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee bekräftigte die Bereitschaft zu helfen, wenn nötig.

Opel in Bochum hat derzeit eine einwöchige Produktionspause eingelegt. Außerdem soll das Werk ab Mitte Dezember vorzeitig in die Weihnachtspause gehen. Am 1. Dezember kommen die Beschäftigten nach Angaben des Betriebsrates zunächst zu einer Belegschaftsversammlung in Bochum zusammen.

Auf die Frage, ob er für die Staatshilfe auch persönlich auf Geld verzichten würde, antwortete Forster: „Man kann über Gehaltsanpassungen reden.“ Er habe sowieso schon zwei Drittel seiner Bezüge aufgegeben, weil er keinen Bonus annehme.

Forster äußerte sich bei der Vorstellung eines neuen Modellversuchs mit dem Brennstoffzellen-Fahrzeug HydroGen4 in Berlin. Dabei sollen neun Firmen insgesamt zehn Autos unter Praxisbedingungen nutzen. Die Fahrzeuge erzeugen aus Wasser- und Sauerstoff Strom, der einen Elektromotor antreibt. Am Auto selbst entstehen keine Treibhausgase. Allerdings werden bei der Erzeugung des Wasserstoffs klimaschädliche Gase ausgestoßen.

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