Autokrise
Opel zwischen Hoffen und Bangen

Beim deutschen Autobauer Opel geht die Angst um. Einem Medienbericht zufolge soll der amerikanische Mutterkonzern General Motors bereits Werksschließungen in Betracht ziehen, um sich selbst zu retten. Das bestreiten Konzernkreise aber. Und während das Schicksal von Opel weiter im Ungewissen liegt, fährt NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers schweres Geschütz auf.

mcs/HB HAMBURG/RÜSSELSHEIM. Aus den USA, Heimat der Opel-Mutter General-Motors (GM), drangen Dienstagfrüh Horrornachrichten nach Europa: Angeblich plane GM das Aus für drei Opel-Fabriken und ein Werk der schwedischen Schwester Saab. Sie sollen verkauft oder geschlossen werden. Die Opel-Fabriken in Bochum und im belgischen Antwerpen könnten dem GM–Rettungsplan zufolge dicht gemacht, das Werk in Eisenach veräußert werden, berichtete die Agentur Bloomberg unter Berufung auf einen Insider.

Um 18 Uhr Ortszeit, dann ist es Mitternacht in Europa, will GM den Sanierungsplan offenlegen. Allerdings sollen dort keine konkreten Werkschließungen in Europa enthalten sein, versicherten Konzernkreise dem Handelsblatt. Vielmehr soll die Notwendigkeit zu drastischem Kostenabbau hervorgehoben werden.

Angesprochen auf das mögliche Aus für Fabriken sagte ein Sprecher von GM Europa (GME), das seien „Spekulationen“, die er nicht bestätigen könne. In Unternehmenskreisen hieß es, man könne kaum um Bürgschaften von Bundesländern und Bund bitten und dann die deutschen Fabriken dicht machen. „Wir werden uns in den Diskussionen mit den Arbeitnehmervertretern darum bemühen, die Strukturkosten zu senken“, sagte der GME-Sprecher. Auch der Chef des Gesamtbetriebsrates von General Motors in Europa weist einen Bericht über Werksschließungen zurück. Unternehmenskreisen zufolge will Opel durch Staatshilfe eigenständiger von GM werden, um auf eignen Beinen zu stehen.

Franz sieht hinter den Schreckensszenarien aus der Konzernzentrale in Detroit frustrierte GM-Manager am Werke. „Ich gehe davon aus, dass es auch Menschen im Management von GM gibt, die Bestrebungen haben, verbrannte Erde zu hinterlassen. Ich warne davor, dass man so mit dem Schicksal von Menschen und einem Traditionsunternehmen umgeht. Wir werden das niemals akzeptieren. Das sind Menschen, die niemals einen Beitrag zum Wohl von General Motors oder Opel geleistet haben.“

In Arbeitnehmerkreisen von Opel in Rüsselsheim heißt es, mancher in Detroit wolle offenbar Europa mit in den Abgrund reißen und gefährde durch diese Politik der „verbrannten Erde“ staatliche Bürgschaften und Garantien. Franz Ziel ist dagegen ein „Abkoppeln vom gescheiterten zentralistischen Unternehmensmodell“. Ihm sei klar, dass dann eine „harte Zeit“ vor den Mitarbeitern liege. Aber sie wüssten dann zumindest, wofür sie es tun. In Unternehmenskreisen heißt es, Betriebsratschef Franz und GME-Chef Carl-Peter Forster zögen an einem Strang. Am Montag hatte Franz in einem Brief an die Beschäftigten in Europa vor einem Kahlschlag gewarnt die Abspaltung der europäischen Töchter Opel, Saab und Vauxhall gefordert.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte unter Berufung auf gut informierte Kreise berichtet, dass GM die Schließung oder den Verkauf von bis zu vier europäischen Werken erwäge - um die Anforderung der US-Regierung für weitere rettende Staatshilfen zu erfüllen. Neben Eisenach und Bochum könne es auch das belgische Werk in Antwerpen treffen. Außerdem stehe auch der Verkauf der GM-Sparte Saab zur Debatte, womit auch das in Trollhättan stehende Werk in der Existenz bedroht sei. Opel, Saab und Luton (englische GM-Marke Vauxhall) stellen derzeit noch in neun Fabriken in Europa Autos her. Dem Bloomberg-Bericht zufolge will GM nun insgesamt die Produktion um eine Million Fahrzeuge kürzen.

Angesichts des drohenden Kahlschlags in Europa gewinnt der am Montag bekanntgewordene dramatische Brandbrief des Opel-Gesamtbetriebsratschefs Klaus Franz , in dem der Arbeitnehmervertreter die Abspaltung der europäischen Töchter Opel, Saab und Vauxhall fordert, ebenso eine ganz neue Dimension wie die USA-Reise des NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers. Franz hatte am Montag den offenbar "Renaissance" betitelten Plan als "nicht durchführbar" kritisiert. Er bedeute, so Franz in einem offenen Brief an GM-Chef Rick Wagoner, "das Ende der europäischen GM-Marken und-Unternehmen" und berge "unkalkulierbare Prozessrisiken" in sich. Die Kreditzusage der US-Regierung für GM, die Auslöser für den drastischen Kürzungsplan ist, bezeichnete Franz als eine Art "vergiftetes Geschenk".

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